Pro-Lernen
In der Folge stellen wir unser Projekt 'Pro-Lernen' vor, in welchem wir einem interessierten Kreis von Eltern und anderen lernenden Menschen darstellen wollen, wie wir Bildung Zuhause mit unseren Kindern angehen, was unsere Vision und unsere Ziele sind, was wir unter Lernen verstehen, was unsere Ansätze dazu sind und was unsere aktuellen Projekte sind.
Lassen wir uns von den Kindern zurück führen zur Lust am Lernen, erforschen wir mit ihnen, was es heisst, Mensch zu sein.
Erster Buchstaben 'O'
Olivia (3 1/2 Jahre) hat heute ein Buch geschenkt bekommen, auf welchem der Titel "Osterhasen" gross aufgedruckt ist. Sie trägt das Buch lange Zeit mit sich umher und schaut immer wieder die Titelseite an. Plötzlich fragt sie mich: "Ist das ein 'O'?" Sie zeigt mit dem Finger genau auf den 'O' von Osterhasen. Ich bejahe die Frage. Eine Weile später sagt sie freudestrahlend: "Gäll Mama, jetzt kann ich ja lesen!" Sie kann es kaum erwarten, bis sie Sara ihr 'O' zeigen kann und ihr dann auch gleich demonstriert, wie sie den 'O' lesen kann. Etwas später holt sie Papier und einen Stift und beschriftet das ganze Blatt mit 'OOOOOOO'.
So geschieht Lernen mit Freude.
Labels: Kinder
Alles zum richtigen Zeitpunkt
Heute Nachmittag lernte Sara Fahrrad fahren. Das tönt auf den ersten Blick nicht unbedingt sensationell. Schliesslich ist Sara auch schon 6 1/2 Jahre alt. Und ihr Fahrrad ist 1 Jahr alt, bzw. neu, denn es ist bis jetzt praktisch nur in der Garage gestanden. Vorher hatte Sara ein "Rennrad" (Bei einem Rennrad kann das Kind zuerst balancieren und experimentieren, und erst wenn das Kind einen sicheren Umgang mit dem Rad erlernt hat, wird die Treteinheit angeschraubt. Braucht keine Stützräder und bietet einen nahtlosen Übergang vom Rennrad zum Fahrrad.). Als die Balance von Sara gut genug war und wir als Eltern meinten, dass der Zeitpunkt jetzt reif sei, montierte Bruno vor zwei Jahren die Pedalen ans Rennrad. Die ersten Fahrversuche scheiterten kläglich, das Fahrrad wurde wieder weggestellt und nicht mehr geholt. Erst ein Jahr später, als andere Kinder vom Quartier Sara zum Fahrrad fahren abholten, versuchte sie es wieder. Der Versuch scheiterte erneut und wir hatten das Gefühl, dass das Fahrrad für Sara mittlerweile zu klein war und so bekam sie ein grösseres geschenkt, an welchem es gleich noch Stützräder dran hatte. Am meisten Freude hatte Sara an der „Felix-Hupe“ und am kleinen Täschchen vorne am Lenkrad! Doch selbst mit Stützrädern blieb es sozusagen unangerührt und landete bis auf weiteres in der Garage. Sara bevorzugte es, das Trotti zu nehmen, wenn sie mit anderen Kindern unterwegs war. Mittlerweile ist also wieder ein Jahr vergangen und gestern Abend verkündete Sara, dass sie velofahren lernen möchte, aber ohne Stützräder, denn alle anderen Kinder im Quartier hätten auch keine Stützräder! Das leuchtete ein, und wir machten miteinander ab, dass wir am nächsten Tag die Stützräder abschrauben werden. So wurde heute das „neue“ Fahrrad aus der Garage geholt, die Stützräder weggeschraubt, der Helm aufgesetzt, und nun konnte es also losgehen. . . . . . Ich war gefasst, dass das Fahrrad allenfalls in 5 Minuten wieder in der Garage landen könnte und dass ein weiteres Jahr vergehen könnte, was auch nicht schlimm gewesen wäre, denn wir setzten Sara keinen Druck auf und wollten sie auch nicht motivieren. Ich halte also das Fahrrad, Sara steigt auf, ich lasse das Velo los und Sara fährt die Strasse entlang! Sie fährt und fährt und fährt! Sie pedalt, sie lenkt und kann sogar kleine Kurven machen und auch bremsen! Sie fährt und es sieht aus, als hätte sie das schon immer getan. Ich staune nur noch! Sara strahlt über das ganze Gesicht. Sogar das Anfahren geht alleine. Sie fährt noch einige Male hin und her, dann stellt sie das Fahrrad hin und rennt los, um die Nachricht der grossen und kleinen Nachbarschaft zu verkünden. Der Höhepunkt für sie ist, als sie am Abend Papa die Überraschung vorführen darf. Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, dass die Selbstbestimmung der richtige Zeitpunkt zum Lernen ist.
Labels: Kinder
Bewilligung für ein weiteres Jahr erhalten
Heute haben wir die Bewilligung für Bildung zu Hause für unsere Tochter Sara bis Ende Juni 2008 erhalten. Die Behörden nehmen zur Kenntnis, dass wir 'unschoooling' im Sinne von informellen Lernen praktizieren und beziehen sich sogar auf den Urvater von 'unschooling', auf John Holt. Um sich abzusichern spricht die Behördensprache von verschiedenen Eventualitäten, wie z.B. Leistungstests können angeordnet werden, usw. Sie können scheinbar nicht anders als sich in alle Richtungen abzusichern.Die Bewilligung wurde sehr differenziert erteilt und geht ein auf unsere Reflexion, die wir von Sara erstellt haben. Das Kindeswohl wird sehr ernst genommen.Wir freuen uns über diesen Bescheid und hoffen, dass es immer so weiter geht.Labels: Behörden
Behördenkontakt
Unser erster Antrag für Bildung zu Hause in unserem Schweizer Wohnkanton Appenzell Ausserrhoden war ursprünglich für alle Kinder und für die ganze Schulzeit gedacht. Wir reichten ein umfangreiches Konzept ein, wie wir unser Vorhaben realisieren möchten. Nach einem sehr angenehmen Behördenkontakt mussten wir uns belehren lassen, dass wir für jedes unserer drei Kinder eine separate Bewilligung einholen und diese jährlich erneuern müssen. So haben wir für unsere älteste Tochter Sara anfangs 2006 die Bewilligung für ein Jahr 'häuslicher Unterricht' erhalten. Häuslicher Unterricht nennt es die Behördensprache in ihren Gesetzesartikeln. Wir nennen unser Lernprinzip 'unschoooling' oder selbstbestimmtes Lernen.
Diese Bewilligung mussten wir per Ende Februar 2007 für ein weiteres Jahr erneuern lassen. Wir haben wiederum ein mehrseitiges Dokument eingereicht, welches unsere Reflexion über das Lernverhalten und die Lernfortschritte von Sara beinhaltete. Am Freitag, 2. März 2007 hatten wir bereits das persönliche Gespräch mit der zuständigen Behördenvertreterin, welche mit uns die einzelnen Punkte unserer Reflexion durchging. So werden wir in den nächsten Tagen bereits die Bewilligung für ein weiteres Jahr Bildung zu Hause erhalten, was uns natürlich sehr freut.
Wir dürfen mustergültig erfahren und erleben, dass wir im Kanton Appenzell Ausserrhoden in Bezug auf das Thema Bildung sehr liberale Behördenvertreter haben. Sie sind jederzeit offen für Neues und verfügen über eine edle Geisteshaltung. Dies ist in einer Welt von Dogmen und Ideologien alles andere als selbstverständlich.
Es gibt sie also doch noch, die positiven Beispiele!
Labels: Behörden