Pro-Lernen

In der Folge stellen wir unser Projekt 'Pro-Lernen' vor, in welchem wir einem interessierten Kreis von Eltern und anderen lernenden Menschen darstellen wollen, wie wir Bildung Zuhause mit unseren Kindern angehen, was unsere Vision und unsere Ziele sind, was wir unter Lernen verstehen, was unsere Ansätze dazu sind und was unsere aktuellen Projekte sind.

15. Juli 2007

Einfach SEIN

Zur Zeit ist es bei uns sehr heiss und die Kinder suchen überall den Schatten und das Wasser. Hinter unserem Haus ist es angenehm kühl und wir verbringen dort viel Zeit des Tages. Langeweile kennen unsere Kinder nicht. Ich glaube sogar, dass sie dieses Wort überhaupt nicht einmal kennen. Diese heissen Tage spielen sie oft Verstecken oder malen mit Kreide, gehen am Seil beim Lindenbaum schaukeln oder im kleinen Wasserbecken sich erfrischen, füllen den Sandhaufen mit Wasser, machen mit den Figürchen im Schatten Rollenspiele, üben Hula-Hopp mit einem grossen Reifen, versuchen Heuschrecken in die Hand zu nehmen oder sie beobachten den Bauern beim Heuen, usw. usw.

Da die Heimat von Cindy Rummel, Action, Animation und TV bedeutet, dauerte es ca. eine Woche, bis sie bei uns in der Ruhe wirklich angekommen ist. Nun geniesst sie das SEIN mit unseren Kindern und ist hier gut integriert. Einige Wörter und Sätze, die Sara mittlerweile auf französisch kennt, wendet sie mit Cindy korrekt an. Ansonsten spricht sie mit Cindy auf Hochdeutsch, in der Annahme, dass sie das eher versteht als Mundart. Wie auch immer, die Kommunikation funktioniert auf jeden Fall und auch Nalin ruft uns schon einige französische Ausdrücke entgegen.


Auf diese Art und Weise dürfen Kinder auf ganz natürliche Art und Weise mit einer Fremdsprache in Berührung kommen und haben viel Spass dabei.

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Was essen?

Mit dem Essen ist das so eine Sache mit Cindy. Hier scheinen wir wirklich sehr weit voneinander entfernt zu sein. Bis jetzt hab ich erst sehr wenig herausgefunden, was Cindy gerne isst. Wenn ich sie frage, dann weiss sie es selber auch nicht. Mittlerweile weiss ich aber schon eine ganze Liste, was sie nicht mag. Dazu zählen alle Pastas und Spaghettis sowie auch alle Reisvariationen, alle rohen und gekochten Gemüse sowie auch alle Früchte, ausser Bananen. Heute hat sie zwar entdeckt, dass die Himbeeren in unserem Garten gut schmecken und auch unser selbstgebackenes Brot mag sie, welches wir ihr im Notfall immer anbieten können, und das ist eigentlich immer der Fall! Sara und Olivia fanden es kürzlich ziemlich lustig, als Cindy nach dem Essen einen schwarzen Kaffee verlangte! Jetzt sind sie dauernd am Rätseln, was denn Cindy wohl zu Hause isst und was denn dort noch alles anders ist als bei uns. In Büchern suchen sie Bilder von dunkelhäutigen Kindern und grossen Wohnhäusern und wollen wissen, ob Cindy wohl in diesem Haus wohnt oder vielleicht in dem nebenan? So entstehen wieder viele neue Lernfelder für unsere Kinder sowie auch für Cindy.

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Normaler Alltag

Meistens besprechen wir beim gemeinsamen Frühstück die Pläne und Vorlieben jedes Einzelnen. Frage ich die Kinder, was sie heute am liebsten tun möchten, dann antworten sie fast immer: "Einfach hier spielen". Wir besprechen auch, was unbedingt erledigt werden sollte und planen uns dafür die Zeit ein. Heute z.B. mussten wir einen grossen Korb voller Wäsche zusammenlegen, eine Arbeit die wir immer gemeinsam erledigen und es wird schon am Frühstückstisch gehandelt, wer was zusammenlegt. Diese Arbeit macht meistens allen Spass und manchmal gelingt es mir noch eine Geschichte dazu zu erzählen. Heute legte Olivia die Waschlappen zusammen, Sara bevorzugte es, die Socken zu sortieren und ineinander zu krempeln und Cindy machte die Handtücher.


Nachdem die Wäsche versorgt war, wurde gespielt und gelernt. Sie machten mit ihren Figürchen Rollenspiele, aber jedes in seinem Ecken und in seiner eigenen Sprache, es wurden Zahlen an die Wandtafel geschrieben, dann wurde auf Papier gemalt, geschrieben, geschnitten, geleimt.
Später gabs ein Vestecken auf französisch. Sara wollte immer zählen und dann suchen gehen. Sie zählte auf französisch von 1 bis 10 und dann noch "je viens" und rannte los. Anfangs brauchte sie noch meine Hilfe, doch nach wenigen Malen gelang es ihr ganz alleine. Zusammen mit anderen Nachbarskindern wurde ein grosser Eiffelturm aus Klötzen gebaut und dann wurde noch mit Strassenkreiden draussen der Boden bemalt.


Bis jetzt haben es die drei Mädchen sehr friedlich und harmonisch miteinander.

Sara hat den Anspruch an sich, dass sie mit Cindy auf französisch sprechen will, und deshalb spricht sie auch dementsprechend wenig mit ihr!! Olivia ist da ganz anders. Die Sprache ist ihr egal und sie spricht mit Cindy, als ob diese alles verstehen würde. Interessant ist jeweils, dass Cindy auf Olivia eingeht und tatsächlich mehr oder weniger versteht, was ihr gesagt wurde.

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12. Juli 2007

Cindy ist da

Ab Heute sind wir für einen Monat lang einen "Sechsklang". Unser Ferienkind Cindy ist bei uns gut angekommen und sie war den ganzen Tag damit beschäftigt, unser Haus und die Umgebung zu entdecken. Sie hüpfte von einem Raum in den anderen, bestaunte dies, bemusterte das, probierte jenes aus und war am meisten fasziniert über die grosse Wiese und die Kühe hinter dem Haus. Sara und Olivia folgten ihr jeweils Schritt auf Schritt und beobachteten Cindy in ihrer Begeisterung. Für Cindy ist es eine völlig neue Welt, denn sie kommt aus einem Armenviertel in Paris und wohnt mit ihren Eltern und zwei Geschwistern in einer kleinen Wohnung direkt an einer stark befahrenen Strasse.
Die Höhepunkte für Cindy waren, als wir beim Nachbarsbauern die Kühe aus der Nähe anschauen gingen und die Kinder alle noch im Heu hüpfen konnten sowie zu Hause aus dem frisch zubereiteten Teig Brötchen zu formen, zu backen und anschliessend zu essen.

Für Sara und Olivia war das Wichtigste zu sehen, dass Cindy lieb ist und es auch gerne lustig hat. Im Gegensatz zu Olivia spricht Sara noch nichts mit Cindy. Olivia spricht in ihrem Schweizerdeutsch dafür umso munterer drauflos und merkt, dass dies irgendwie funktioniert.

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7. Juli 2007

Französische Vorfreude

Nun geht es nur noch wenige Tage bis Cindy bei uns ankommt. Unsere beiden Mädchen sind schon jetzt ganz aufgeregt und können es kaum erwarten. Dass Cindy nur Französisch sprechen kann, stört sie gar nicht. Im Gegenteil. Sie finden das spannend und fragen mich oft, wie man dies und das auf Französisch nennt. Sara hört sich gerne die CD "Französisch, keine Hexerei" an. Dies ist eine Geschichte zweier Hexen, die eine kann nur Deutsch, die andere nur Französisch. Der absolute Hit im Moment ist aber unser Telefonbeantworter, wo Cindy schon mal darauf gesprochen hat. Dieser wird mehrmals täglich von Sara aufs Genauste abgehört und sie verkündete kürzlich, dass sie bald nur noch Französisch sprechen möchte.

Dass mit Cindy alles geteilt wird, ist für Sara und Olivia sonnenklar. So sind die beiden eifrig am Organisieren. Sara stellte fest:"Sie ist ja sicher kleiner als ich, dann braucht sie schon meinen Tripptrapp, und sicher hat sie in Paris nicht eine solch schöne Lillifee-Bettwäsche, dann geb ich ihr meine!" Falls sie Kleider braucht, hat Olivia schon vorgesorgt und Figürchen fürs Rollenspiel sind auch schon hergerichtet. Eine selbstgemachte Perlenkette als Begrüssungsgeschenk liegt bereit und das Lieblingsmenu von Cindy für den ersten Tag ist in Vorbereitung.

Nun kann es also losgehen.

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