Pro-Lernen

In der Folge stellen wir unser Projekt 'Pro-Lernen' vor, in welchem wir einem interessierten Kreis von Eltern und anderen lernenden Menschen darstellen wollen, wie wir Bildung Zuhause mit unseren Kindern angehen, was unsere Vision und unsere Ziele sind, was wir unter Lernen verstehen, was unsere Ansätze dazu sind und was unsere aktuellen Projekte sind. Lassen wir uns von den Kindern zurück führen zur Lust am Lernen, erforschen wir mit ihnen, was es heisst, Mensch zu sein.

31. August 2007

Allerlei los

In den letzten Tagen beschäftigten sich die Kinder mit unterschiedlichen Sachen. Zum Einen waren sie daran, das baldige Taufessen bei uns zu Hause vorzubereiten. Es wurden dazu kleine Gegenstände aus Ton getöpfert, dann mit Engoben bemalt und schliesslich zum Brennen gebracht. Sara schrieb einen Spruch (eine ganze A4 Seite voller kleiner Sätzchen), welcher sie allen vorlesen möchte, es wurden Blumen in kleine Vasen gesteckt, usw. Dann wurden Rollenspiele und nochmals Rollenspiele gemacht, wobei bei Sara die Pippi Langstrumpf und bei Olivia die Lillifee aktuell waren und noch immer sind. Zwischendurch machten sie immer wieder Tänzchen, hörten sich eine Kasette mit einer Geschichte drauf an oder liesen sich von mir eine Geschichte erzählen. Sara übte Zahlen an der Wandtafel und Olivia machte auch gleich mit, sie machten kleine Kunststücke am Türreck, spielten mit den Puppen, rannten draussen herum, fuhren Velo, spielten mit anderen Kindern, kletterten auf Bäume, hatten Spass beim "UNO Junior", malten an der Malstation, kamen in den Wald, usw.
Auch Nalin hat immer was zu tun. So ist er oftmals ganz konzentriert beim Rondellen stecken zu beobachten, am Türmchen bauen mit Klötzchen, mit einem Traktor am Spielen, am Klettern oder etwa am Bügeln. . . . . . .

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Kochen

Während ich schon mitten im Kochen bin, bekomme ich plötzlich Gesellschaft von Olivia und Sara. Sie wollen auch kochen. Nein, heute wollen sie mir nicht helfen, so wie sie das oft tun. Sie wollen selber kochen. Also holt Olivia die kleine Kinderkochplatte hervor und entscheidet sich, in dem munzigkleinen Pfännchen Spaghetti zu kochen. Die Spaghetti muss sie ganz klein machen, damit diese Platz im Pfännchen haben. Sara beginnt auf der grossen Elektrokochplatte Makkaronis zu kochen. Zwischendurch, wenn sie nicht mehr mit der Kelle rühren müssen, gehen sie zu ihren Figürchen und machen Rollenspiele. Später deckt Sara den Tisch für die ganze Familie und schliesslich dürfen alle von allem Probieren.

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25. August 2007

Zahlen

Kürzlich wollte Sara die Töpfchen von ihrem Experiment nummerieren. Sie begann bei der Nummer 1 und schrieb diese auf einen Zettel. Als nächstes kam die Nummer 4, dann die Nummer 7 und noch die Nummer 10. Ich wunderte mich etwas über diese Reihenfolge, denn zählen kann Sara schon seit längerer Zeit ohne Probleme bis 100. Das Rätsel wurde jedoch schnell gelüftet, als sie mir mitteilte, dass sie jetzt nicht mehr weiterschreiben könne, weil jetzt die schwierigen Zahlen dran kämen, jene mit Rundungen. So schrieb ich ihr die gewünschte Zahl vor und sie versuchte sie auf ihrem Zettel nachzuschreiben, was sich als ziemlich hoffnungslos entpuppte, da ihre Zettelchen viel zu klein waren. Da ich aber spürte, dass sie gerne die Zahlen schreiben würde, schlug ich ihr vor, dass sie jeden Tag an der Wandtafel eine Zahl üben könne. Sie war begeistert. Beginnen wollte sie mit der Nummer 1, dann mit der 4 und heute war die 7 dran. Sie erfindet jeweils selber kleine Zahlengeschichten, so dass ihr das Schreiben richtig Spass macht.

Die Zahlen scheinen sie im Moment anzuziehen. Heute entdeckte sie das Elferspiel auf dem Gestell. Dies ist ein Kartenspiel mit Zahlen von 1 bis 20. Es geht darum, dass man jeweils die richtige Zahlenkarte in der richtigen Reihenfolge zur passenden Farbe legt. Wir spielten dieses Spiel über eine Stunde miteinander und es erstaunte mich, wie sie die Reihenfolge der Zahlen vor - und rückwärts beherrschte. Manchmal frage ich mich, wie sie überhaupt zählen gelernt hat. Ich weiss es ehrlich gesagt nicht genau. Es hat einfach stattgefunden, immer wieder ein bisschen. So addiert, subtrahiert und ergänzt Sara die Zahlen auch, ohne dass sie merkt, dass sie am Rechnen ist. Sie kann zum Beispiel sagen:" Mama, letztes Mal hast Du für dieses Gericht 10 Kartoffeln benötigt, heute hast Du nur 7 geholt, warte, ich hole dir noch 3 im Keller! Oder sie macht Spiele mit ihrem Alter: Wenn ich 7 Jahre alt bin, ist Olivia 4 Jahre und Nalin 2 Jahre, wenn ich 8 Jahre alt bin, ist Olivia 5 Jahre und Nalin 3 Jahre usw. usw.

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24. August 2007

Experimentieren

Neugierig gemacht durch die Entdeckung, dass im Garten von Saras Freundin die Wiese einen grossen schwarzen Fleck an der Stelle aufwies, wo das Schwimmbecken während des Sommers gestanden hatte, wollte Sara wissen, wieso das so ist. Ich erklärte es ihr und sie beschloss anschliessend, einige Experimente mit Pflanzen zu machen. So wurden in über zehn Töpfchen Erde gefüllt und Kressesamen hineingestreut. Einige Töpfchen bekamen Wasser, einige nicht, und anschliessend wurden die Töpfchen im ganzen Haus verteilt, inklusive im Kühlschrank und Gefrierfach, aber auch auf dem Balkon im Wintergarten, wo es sehr heiss werden kann, im Keller, im Schrank neben dem Abfallkübel und auch einige ganz "normal". Jeden Tag besucht sie ihre Pflänzchen und darf so ganz spannende Entdeckungen machen.

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5. August 2007

Cindy geht nach Hause

Eine sehr schöne, sehr befruchtende und sehr harmonische Zeit zusammen mit unserem Ferienkind Cindy ist leider schon wieder vorbei. Wir haben die Zeit mit ihr genossen, und sie mit uns hoffentlich auch. Dass sie gar nicht mehr nach Paris zurückkehren wollte, wunderte uns nicht allzu sehr. Am liebsten hätte sie gehabt, wenn ihre Mutter auch bei uns wohnen dürfte, obwohl sie kein einziges mal Heimweh nach ihr hatte! Dass sie in Paris auch nicht mehr zur Schule gehen wolle, überraschte uns ebenfalls nicht sehr, obwohl sie am Anfang von der Schule mit den vielen Spielsachen schwärmte. Verständlich, denn sie erzählte uns, dass sie bei sich zu Hause kaum Spielsachen habe und dass es in der Wohnung auch keinen Platz zum Spielen gäbe. Wenn sie aufstehe, dann würde sie etwas essen und wenn keine Schule ist, dann würde sie anschliessend TV schauen, wieder essen und irgendwann schlafen gehen. Für Cindy scheint es wirklich ein Segen zu sein, dass sie zur Schule gehen darf! Alle Kinder hatten es meistens sehr friedlich miteinander und es gab beiderseits auch kaum Eifersucht. Wenn bei Cindy eine Eifersucht aufkam, dann war es wohl beim Abschied, denn sie wusste, wohin sie jetzt wieder musste. Bei Cindy spürte man sehr gut, dass sie von ihrer Mutter geliebt wird und von dieser Liebe schien sie genügend genährt zu sein, so dass sie auch mal ein lautes NO von Olivia einstecken konnte. Sara teilte mit Cindy alles, aber auch wirklich alles, angefangen bei den Kleidern, Spielsachen, Freundinnen bis zum Schluss noch das Bett!

Mit der Sprache gab es nie ein Problem. Den Anspruch auf Perfektion hat Sara zwar nie aufgegeben und sie hat mich dementsprechend viel gefragt, was denn dies oder jenes auf französisch heisst. Die Kommunikation hat aber immer stattgefunden!

Der Abschied am Bahnhof war irgendwie hart. Eine Person, welche mit anderen Begleitern die ca. 350 Kinder zurück nach Paris zurück begleitet, erzählte uns, dass jedes Jahr mehrere Kinder von keinem Elternteil abgeholt würden und da müsse jeweils schon im Voraus für Notunterkünfte dieser Kinder gesorgt werden. Denn oftmals könne es mehrere Tage dauern, bis diese Eltern endlich auffindbar seien.

Die Erlebnisse mit Cindy halten wir in schöner Erinnerung und freuen uns schon jetzt darauf, wenn sie nächsten Sommer wieder zu uns kommt.

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