Pro-Lernen

In der Folge stellen wir unser Projekt 'Pro-Lernen' vor, in welchem wir einem interessierten Kreis von Eltern und anderen lernenden Menschen darstellen wollen, wie wir Bildung Zuhause mit unseren Kindern angehen, was unsere Vision und unsere Ziele sind, was wir unter Lernen verstehen, was unsere Ansätze dazu sind und was unsere aktuellen Projekte sind.

31. Dezember 2007

Antwort auf eine Anfrage für "Bildung zu Hause"

Wir bekommen immer wieder aus der ganzen Welt Anfragen zum Thema Bildung zu Hause, welche wir ernsthaft zu beantworten versuchen. Dabei ist auffallend, wie die meisten Eltern, meistens Frauen, sich erst kurz vor der Einschulung mit der Bildung ihrer Kinder auseinander setzen. Da dieser Prozess für meine Frau und mich gemeinsam bereits vor der Geburt des ersten Kindes begonnen hat, fällt es uns jeweils nicht ganz einfach, uns in die jeweilige Situation hinein zu versetzen. Wir versuchen dabei keine Ratschläge zu erteilen und teilen auch mit, dass wir keine Erfahrungen zu einem entsprechenden Thema haben.

In der Folge berichten wir in einer Antwort über unsere Art, wie wir Bildung zu Hause angehen. Aufgrund der positiven Rückmeldung scheint der Brief gut angekommen zu sein.

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Herzlichen Dank für Ihre Kontaktaufnahme.

Es ist in der Tat ein spannendes Vorhaben in der Familie Bildung zu Hause zu praktizieren. So wie ich Ihre Mail interpretiere, sind Sie erst am Anfang der Auseinandersetzung. Dies vermute ich, weil in Ihren Fragen die klassischen Fragen von Kritikern und Zweiflern hochkommen. Lernen die Kinder genug? Was sagt die Umgebung? Und viele kennen ein einzelnes Beispiel, bei dem es vielleicht nicht so optimal lief. Weiter entnehme ich Ihrer Mail, dass Unschooling oder Leben ohne Schule für Sie ebenfalls neu ist. Homeschooling ist nicht gleich Homeschooling. Das mussten wir teilweise bitter erfahren. Weiter möchte jeder sofort Kontakt mit einer Familie, bei der es angeblich funktionieren soll. Ja, so ist es bei fast allen. Viele sind uns besuchen gekommen, obwohl ich am Telefon bereits sagte, dass wir eine normale Familie sind und es bei uns nichts Besonderes zu sehen gibt. Das stimmt natürlich nicht, denn unsere 3 Kinder (Nalin 2,5 – Olivia 4 – Sara 7) sind wirklich Besonders. Es soll für die Eltern auch nicht anders sein. Und hier komme ich zum springenden Punkt resp.  zu unserer Philosophie. Es ist ja interessant, dass jede Familie, die mit den Kindern Bildung zu Hause praktiziert, unterschiedlichste Motivationen und Wertsysteme mitbringen. Die einen, und es sind nicht wenige, bringen die christlichen Werte ins Spiel. Diese Familien mit ihren eigenen Weltbildern funktionieren nicht anders als die Schule. Die Kinder sind eine Aufzucht, die zum Heil geführt werden sollen. Ob zum religiösen Heil oder zum kapitalistischen Heil, die Art des Lehrens unterscheidet sich nicht gross. Die anderen, - zu diesen bekennen wir uns, und es sind sehr wenige, argumentieren

1. mit der Art des Lernens und

2. mit der Art, wie mit Menschen umgegangen werden soll.

Wir lehren nicht. Wir halten keine Heimschule. Wir schrauben nicht an den Kindern. Sondern wir gestalten eine entspannte und interessante Umgebung, mit dem Urvertrauen und dem Wissen, dass jedes Lebewesen (Menschen, Tiere, Pflanzen) die ureigenste Umgebung jeweils assimiliert. Ein Lebewesen kann gar nicht anders, als sich die Umgebung einzuverleiben. Konkret bedeutet dies: in einer lesenden Familie lernen die Kinder automatisch lesen oder etwas krasser, in einer Umgebung mit Belohnung und Bestrafung entstehen Menschen, die später wieder so funktionieren und sich gegenseitig kanibalisieren. Zu dieser Umgebung gehören wir als Eltern und es liegt an uns, wie wir Punkt 1 und Punkt 2 anpacken. Es gibt heute bereits interessante wissenschaftliche Erkenntnisse zu unserer Art, wie wir Bildung zu Hause angehen (siehe z.B. http://www.pro-lernen.ch/blog/2007/12/buchrezension-zu-hause-von-alan-thomas.html). Wir mussten uns in den letzten 8 Jahren tüchtig bilden, indem wir unzählige Bücher gelesen haben. Dabei wurden wir in den Grundsätzen sowohl in unserem Vorgehen als auch in unserer Haltung gegenüber den Kindern bestätigt. Auf unserer Webseite haben wir eine umfassende Bücherliste zur Verfügung gestellt (siehe www.pro-lernen.ch/hilfen.htm).  Weiter führen wir einen Blog, in welchem  wir immer wieder ausführlich über unsere Vorhaben berichten und den „Leuten draussen“ Einsicht in unsere Art Bildung zu Hause geben. Wir haben gelernt, dass Bildung zu Hause etwas Privates ist und keine Familie mit einer anderen vergleichbar ist.

Wir selber wollen eine Familie sein, die teilnimmt an einer modernen oder gar post-modernen Welt. Wir wollen uns weder abschotten, noch hervorheben. Wir wollen mit unserer Autorität unsere Kinder, das Lernen und das Leben ins Zentrum stellen und mit Ihnen die Welt entdecken und dabei selber mit lernen. Wir wollen aber auch mithelfen, dass Bildung zu Hause als valable Alternative etabliert wird, weshalb wir auch unsere Aktivitäten im Web publizieren und auch zu Clonlara einen guten Kontakt pflegen. Wir sind momentan die Kontaktstelle Schweiz für Clonlara International.

So habe ich nun viel geplaudert. Wenn Sie einmal in der Schweiz sind, können Sie jederzeit mit uns Kontakt aufnehmen.

Herzliche Grüsse

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23. Dezember 2007

"Ohne Beruf"

Als ich mit unseren drei Kindern in der nahen Stadt St. Gallen einkaufen ging, spricht mich ein älterer Herr an und bemerkt, dass ich sicher nicht zur Arbeit ginge. Als ich selbstverständlich verneine, obwohl ich eigentlich nur am Arbeiten bin, gibt er mir einen Zettel in die Hand und meint dazu, dass ich zusammen mit den Kindern einen schönen Anblick schenke. Dann ging dieser Mann wieder von dannen.

Auf diesem Zettel stand Folgendes geschrieben:
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"Ohne Beruf" - so stand auf dem Pass.
Ich schaute und schaute und staunte nur bass.

"Ohne Beruf" stand da zu lesen,
und dabei ist sie doch das nützlichste Wesen!

Als Köchin für sämtliche Lieblingsspeisen,
als Packer, wenn es geht auf Reisen.

Als Schneiderin, wenn die Kleider zerrissen,
zu Festen bereiten die Leckerbissen!

Als Chirurg, wenn ein Dorn in die Finger gesplittert.
Schiedsmann bei Kämpfen erbost und erbittert.

Als Märchenerzählerin ohne ermüden,
als Hüterin des Hauses Frieden.
Als Puppendoktor, als Dekorateur,
als Gärtner, Konditor und als Friseur,
als Pflegerin in Krankheitstagen.
Unzählige Titel könnte ich noch sagen.

Frauen, die Gott zum Segen erschuf.
Und das nennt die Welt dann "Ohne Beruf"!

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* Dieses Gedicht habe ich hier 1zu1 abgebildet.

Als Familie, die Bildung zu Hause praktiziert, könnten wir wirklich noch unzählige Titel hinzufügen.

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21. Dezember 2007

Buchrezension "Bildung zu Hause" von Alan Thomas

Soeben habe ich das Buch "Bildung zu Hause - Eine sinnvolle Alternative" von Alan Thomas fertig gelesen. Dabei habe ich das Bedürfnis über das interessante Buch zu berichten. Für eine Familie, die selber Bildung zu Hause praktiziert, ist ein solches Buch natürlich eine spannende Sache. Das Buch wurde bereits im Jahr 1998 in Englisch geschrieben und erst vor kurzem ins Deutsche übersetzt.

Der Pädagogik-Professor Alan Thomas beschreibt in diesem Buch in einer wissenschaftlichen Untersuchung die Erfahrungen von 100 Familien (58 in Australien, 42 in England), die Bildung zu Hause praktizierten. imageIn den ersten Kapiteln werden die theoretischen Grundlagen beschrieben, welche ebenfalls interessant sind. Dann zeigt er die Gründe der Eltern auf, wieso sie sich zu Bildung zu Hause entschieden haben. Der Schwerpunkt im Buch liegt dann darin, wie die verschiedenen Eltern diese Aufgabe angegangen sind. Obwohl die Formen der Bildung zu Hause bei allen Eltern sehr unterschiedlich waren, sich sogar bei verschiedenen Kindern innerhalb einer Familie unterschieden, gab es etwas, das fast allen gemeinsam war: Ihre Vorgehensweisen wurden im Laufe der Zeit immer mehr informell, obwohl fast alle einmal mit formalem Unterricht zu Hause begonnen hatten. Informelles Lernen kann als die Fortführung des Lernens in der frühen Kindheit verstanden werden; eher ein durch alltägliche Lebenserfahrung eintretender geistiger Prozess der Osmose als ein Ergebnis bewussten Belehrens.

Interessant ist, dass zur Zeit, als Alan Thomas das Buch geschrieben hat, noch nichts oder nicht viel über informelles Lernen geforscht wurde. Die gesamte bisherige Forschung war eher auf Lernergebnisse denn auf den effektiven Lernprozess gerichtet.

Das Buch spricht die kritischen Themen der Schule, wie z.B. Gleichaltrigenorientierung, Notwendigkeit um mehr persönlicher Interaktion zwischen Schüler und Lehrer (individuelle Aufmerksamkeit für einzelne Schüler sei im Durchschnitt etwa 2,3% der Unterrichtszeit) oder dass die institutionelle Struktur der Schule mit ihrer einschränkenden Gleichaltrigenkultur die gesunde soziale Entwicklung sogar behindern würde.

Interessant an der Untersuchung war für mich, dass Eltern, die sich von vornherein für Bildung zu Hause entschieden, nicht einmal annähernd in das gängige Klischeebild von Bildung zu Hause passten: Aussteiger, ehrgeizige Eltern, religiöse Fundamentalisten oder Spinner.

Es gibt auch keine Handbücher für informelles, unstrukturiertes Lehren und Lernen. Das Hauptproblem informeller Ansätze gegenüber Ansätzen der Schule ist, nachzuweisen, dass tatsächlich Lernen stattgefunden hat. Viele Eltern haben sich mit der Zeit vom formellen Lernen ins informelle Lernen gewandelt. Dies war weniger so, dass Eltern das informelle Lernen entdeckt hätten, sondern weil sich Kinder dem formell strukturierten Lehren und Lernen widersetzt hätten und sich die Eltern infolgedessen bewusst wurden, wie viel die Kinder auch ohne dieses lernten. Dazu gibt es im Buch zwei ausführliche und interessante Berichte.

Informelles Lernen zu Hause ist etwas ganz Besonderes, das nur zu Hause auftritt, denn dabei ist nur wenig oder gar nichts vorgeschrieben. Informelles Lernen bedeutet nicht, Kinder allein sich selbst zu überlassen. Die Kultur zu Hause muss derart sein, dass sie die intellektuelle Neugier anregt und Lernen ermöglicht und unterstützt. Den Kindern müssen Lernmöglichkeiten und Bildungsmaterialien zur Verfügung stehen. Vor allem muss ein Mentor zur Hand sein, der das Niveau der Tätigkeiten mit Liebe und Respekt bestimmt und bereit ist, in einen Austausch zu treten und Fragen zu beantworten. Kinder sind von Geburt an motiviert, etwas über die sie umgebende Kultur zu erfahren, zu lernen wie man darin überlebt, sie geniesst und sich darin entfaltet. Der grösste Teil dieses kulturellen Lernens, besonders in den ersten Lebensjahren, wird durch uns als Eltern vermittelt. Es gibt also keinen Grund, warum wir damit nicht weitermachen sollen, weit über das Schuleintrittsalter hinaus.

Wir finden uns im Buch zu 100% wieder. Wir kennen die Argumentationen, wir kennen die beschriebenen Lernsequenzen, wir kennen die kritischen Fragen aus eigener Erfahrung. Das Buch schenkt Mut, viele Argumente und auch das Wissen von den unterschiedlichsten Erfahrungen der vielen Eltern und Kindern auf der ganzen Welt, die Bildung zu Hause praktizieren. Es ist ein wertvoller Beitrag, die Monokultur der Bildung mit kleinen, zarten Pflänzchen zu durchdringen.

Wir grüssen alle ganz herzlich und wünschen Frohe Festtage und ein erfülltes Neues Jahr.

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10. Dezember 2007

Samichlaus

Die Tradition des Sankt Nikolaus ist in unserer Gegend stark verankert und so stattete auch uns der Samichlaus einen Besuch ab. Wie andere Jahre auch schon war es wieder ein guter Freund von uns, welcher  die Rolle als Samichlaus einnahm. Da er unsere Kinder gut kennt, konnte er ganz spezifisch auf sie eingehen und auch die Gestaltungs-Ideen der Eltern gut integrieren. PC090538 Schon Tage zuvor warteten unsere Kinder aufgeregt auf dieses Ereignis und bereiteten zu dritt ein Tänzchen vor. Mit dem Samichlaus sprachen sie wie mit einem alten Bekannten (vielleicht lag dies an der ihnen vertrauten Stimme!) und sie erzählten ihm so viel, dass er manchmal kaum mehr zu Wort kam. Im Nachhinein wunderte sich Sara, dass der Samichlaus seinen Bart mit der Hand raufziehen konnte. "Du Mama, das hat ausgesehen, als ob das ein Verkleidebart wäre!" Angst vor dem Samichlaus hatten sie noch nie, schliesslich kennen sie auch die Legende des St. Nikolaus und wissen, dass dieser ein lieber Mann war. Aufgrund dieser Legende wollte Sara dann wissen, wo denn die Leute wohnen, die nichts zu essen haben. Dank des Internets und des Buches "Das Bild der Menschenrechte" war es uns möglich,  ziemlich schnell zu Bildern aus verschiedensten Slums zu kommen, welche nicht nur Sara betroffen und mitfühlend machten. So ergeben sich oft ganz unerwartet Lernsituationen, die uns allen neue Horizonte und Sichtweisen eröffnen.

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7. Dezember 2007

Rollenspiele

Vor jüngster Zeit durfte Sara eine Zirkusvorstellung besuchen. Ihre Vorfreude darauf war gross und die Nachfreude ebenfalls. Sie baute mit Parkettklötzen das Zirkuszelt nach und ihre Mannli (dazu gehören auch Frauen, Mädchen und Knaben!) spielten alles ganz genau nach. PB270438Rollen-spiele gehören zu unserem Alltag und es vergeht bei uns nicht ein einziger Tag, an dem unsere Mädchen und mittlerweile auch schon Nalin nicht auf irgendeine Art und Weise Rollenspiele machen. Da gibt es natürlich unzählige Möglichkeiten und die Ideen scheinen ihnen nie auszugehen. Es gibt Tage, an denen sie von früh morgens bis abends  in einem Rollenspiel vertieft sind. Sei es mit kleinen Figürchen, die natürlich alle einen Namen haben von Leuten, die sie entweder kennen und mit denen sie Erlebnisse haben oder aber auch von Leuten, die sie für diese Szene neu erfinden, sei es mit Puppenfiguren, die sie zum Teil selber gebastelt haben und mit PC060519welchen ganze Geschichten (nach) gespielt oder neu erfunden werden, oder sie verkleiden sich selber und schlüpfen so in eine andere Rolle. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Sara sagte einmal: "Das ist eben ein Trick von mir. Alles, was ich erlebt habe, spiele ich zu Hause wieder nach!" Oft wird dann mit vielen grossen, kleinen, farbigen, eckigen, runden, langen, kurzen, dicken oder dünnen Holzklötzen das Erlebte nachgestellt. Wir haben alle Variationen von Holzklötzen, was den Kindern viel freien Lauf in ihrer Kreativität mit diesem unstrukturierten Material bietet.

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