Pro-Lernen

In der Folge stellen wir unser Projekt 'Pro-Lernen' vor, in welchem wir einem interessierten Kreis von Eltern und anderen lernenden Menschen darstellen wollen, wie wir Bildung Zuhause mit unseren Kindern angehen, was unsere Vision und unsere Ziele sind, was wir unter Lernen verstehen, was unsere Ansätze dazu sind und was unsere aktuellen Projekte sind.

20. Januar 2008

Kochen und Lernen

Was man an einem einzigen Tag alles Dank eines Kochbuches lernen kann, zeigte uns kürzlich Sara. Als ich ankündigte, dass wir einkaufen gehen sollten, eilte sie zu ihrem Kinderkochbuch und suchte ein Menu aus, welches sie uns zum Mittagessen zubereiten wollte. Sie wählte einen Kopfsalat mit einer Salatsuce und zum Dessert ein Honiglassi. Nachdem sie alle Zutaten, welche ihr fehlten, P1171001mit einem farbigen Stift auf ein grosses Blatt Papier aufgeschrieben hatte, gings zum Einkaufen. Mit dem Einkaufszettel in der einen Hand und mit der anderen ein kleines Einkaufswägeli stossend, lief sie zielstrebig durch den ganzen Laden und packte alles Benötigte in Bio-Qualität ein. Mit Hilfe des Kochbuches fing sie zu Hause mit der Zubereitung ihrer Mahlzeit an. Sie benötigte nur ein einziges Mal Hilfe von mir, als es ums Waschen des Salates ging.  Auf jeden Fall schmeckte uns das Lassi und der Salat nicht schlecht. Vielleicht ein bisschen weniger Essig in der Sauce das nächste Mal? Kein Problem, sie schreibt sofort in ihr Kochbuch:"weniger Essig". Während sie anschliessend das Kochbuch durchblättert und Rezepte liest, fragt sie mich: P1170994"Was heisst eigentlich dl?" Das erkläre ich ihr ausführlich und nehme dazu auch den Massbecher und eine grosse Spielspritze zu Hilfe. "Wieso sagt man ausgerechnet Deziliter? Hat das etwa der Herr Deziliter herausgefunden?" Sara kugelt sich fast vor lachen. Etwas später will sie noch wissen, was denn ml heisst, das habe sie auch schon mal gelesen. Auch das wird erklärt und anhand weiteren kleineren Spritzen demonstriert.  Während Sara anschliessend selber mit den Spritzen die Milliliter und Deziliter fassbar zu machen versucht, ruft sie: Gäll Mama, das geht doch nicht, wenn man im Kochbuch einfach schreiben würde <1 Tasse>! Da weiss ja niemand, ob man jetzt eine munzigkleine Spiel-Tasse nehmen muss oder die grosse Papa-Tasse!" Sara hat den Sinn dieser Benennungen verstanden.

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9. Januar 2008

"Pro-Lernen-Treff" in der Turnhalle

Während wir Unschooler uns vom Frühling bis zum Herbst regelmässig an einem idyllischen Plätzchen im Wald an einem Bach trafen und dort einige Stunden miteinander verbrachten, war ich mir schon lange am Überlegen, wie wir das in der kalten Jahreszeit lösen könnten. P1090875Nach einigen Abklärungen und Telefonaten stand fest, dass wir jeweils Mittwochnachmittag die einzig freie Turnhalle in Herisau benutzen könnten. Diese Turnhalle ist zwar sehr klein, dafür aber zufällig in unserem Wohnquartier, was uns natürlich freut. Bei der Idee die Turnhalle zu benützen, steht bei mir persönlich nicht das Turnen P1090843und Bewegen im Vordergrund, sondern vielmehr die Möglichkeit, einen grossen und spannenden Raum für "Unschooler-Treffen" zur Verfügung zu haben. Hier kann nebst dem Bewegen an den Geräten auch getanzt, Theater gespielt, musiziert, gezeichnet, gelesen, Geschichten gehört und noch vieles mehr gemacht werden, oder man darf einfach nur SEIN. Die Eltern haben Gelegenheit, sich auszutauschen und es besteht auch immer die Option, Ideen oder Angebote von gross und klein zu integrieren. Heute also fand der erste "Pro-Lernen-Treff" in der Turnhalle statt und es hat allen Beteiligten viel Spass gemacht. Zu Beginn stellten wir Erwachsenen einige Geräte in der Turnhalle auf, wobei wir natürlich auf die Wünsche der Kinder eingingen P1090866und speziell auf deren Sicherheit achteten. Kleinere Dinge wie Bälle, Springseile, Reifen, Hockeystöcke, Stäbe, usw. durften die Kinder selbständig herausholen und auch wieder versorgen. Der Kreativität der Kinder waren (fast) keine Grenzen gesetzt. Wir freuen uns bereits auf den nächsten "Pro-Lernen-Treff".

 Alle Interessierten sind ebenfalls herzlich Willkommen.

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2. Januar 2008

Leseentwicklung von Olivia

Seit Sara immer wieder mit einem Buch in der Hand an einem bequemen Ort liest, hat auch Olivia (knapp 4 Jahre alt) das Bedürfnis erhalten, lesen zu lernen. Alleine hat sie sich vom Buchstabengestell ein Körbchen mit "Sprechbewegungsbildern" aus der Lesemethode "lose, luege, läse" von Ursula Rickli ausgewählt und wollte von mir wissen, wie man das liest. Diese Bilder stellen in leicht stilisierter Weise die Mundstellungen aller in der deutschen Sprache vorkommenden Sprechlaute dar. Auf den Zeichnungen sind auch die Atemführung und der Artikulationsdruck bei der Lautbildung angegeben. Diese Bilder vermitteln den Kindern, wie wenn sie beim Sprechen in den Spiegel schauen würden, ein BePA240138wusstsein der eigenen Sprechbewegung. Das Kind schaut also das Bild genau an und ahmt dann mit Hilfe eines Spiegels die Mundstellung möglichst genau nach, um dann den Laut zu sprechen. So einfach und so wirkungsvoll. Kennt das Kind die insgesamt neunzehn Sprechbewegungsbilder, so wird oben am Bild der dazugehörige Buchstaben dran geheftet und prägt sich unbewusst ins Gehirn des Kindes ein. Als Olivia im vergangenen Herbst diese Bilder zum ersten Mal in der Hand hielt und auch sogleich die ersten Bilder lesen konnte, war natürlich ihre Begeisterung gross. Ca. zehn dieser Bilder fächerte sie täglich mehrmals durch und legte sie abends sogar zum Schlafen neben sich. Seither sind nun zwei Monate vergangen und ohne dass wir sie je gedrängt oder motiviert haben, liest sie seit gestern bereits ganz kurze und einfache Wörter aus diesen Buchstaben (A, E, I, O, U, S, F, L, M, SCH) und sucht dazu das passende Bild. Es ist offensichtlich, dass Olivia reif fürs Lernen der Buchstaben war und ist und dass die Lernumgebung ihr dies auch erlaubt. Eine Mutter erzählte mir vor einiger Zeit,  dass ihre P1010741Tochter so gerne lesen lernen würde, aber dass sie es ihr verbiete, da die Tochter in einigen Monaten in die 1.Klasse käme und es nicht gut wäre, wenn sie dann schon lesen könne. Zudem habe sie auch Angst, dass sie ihrer Tochter etwas Falsches beibringen würde oder dass es ihr in der Schule dann langweilig sein könnte, wenn sie schon lesen könne, usw. usw. Traurig, aber so läufts in der Schlule. Wir machen es gerade umgekehrt: Wir lehren nichts, das Kind bringt es sich selber bei. Wir als Eltern sind die Lernbegleiter und helfen bei Bedarf. Und wie man sieht, funktioniert es bestens. Interessant ist, dass Sara von diesen Sprechbewegungsbildern nie etwas wissen wollte, obwohl sie ihr ebenfalls zur Verfügung standen.

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