Pro-Lernen

In der Folge stellen wir unser Projekt 'Pro-Lernen' vor, in welchem wir einem interessierten Kreis von Eltern und anderen lernenden Menschen darstellen wollen, wie wir Bildung Zuhause mit unseren Kindern angehen, was unsere Vision und unsere Ziele sind, was wir unter Lernen verstehen, was unsere Ansätze dazu sind und was unsere aktuellen Projekte sind. Lassen wir uns von den Kindern zurück führen zur Lust am Lernen, erforschen wir mit ihnen, was es heisst, Mensch zu sein.

27. Mai 2008

Pro-Lernen - Treff im Wald

Bei trockenem und warmem Wetter trafen sich die Appenzeller-Unschooler einmal mehr im Wald.

Nalin und Ayiana Feuer entfachen

Es gibt einige Rituale, welche sich jedesmal wiederholen wie z.B. Holz sammeln, Feuer entfachen und Kochen. Beim Sammeln des Holzes helfen manchmal alle von Gross bis Klein, manchmal sind die Kinder aber auch sehr schnell in intensives Spielen und Erkunden des Waldes und Baches vertieft, sodass wir Erwachsenen die Arbeit des Holz Suchens übernehmen. Spätestens aber beim spannenden Entfachen des Feuers trudeln die meisten Kinder wieder ein und freuen sich, wenn sie mithelfen dürfen. In der speziellen Atmosphäre des Feuers fühlen sich die Kinder wohl und erleben hautnah, wie dieses Element Wärme spendet, Wasser zum Kochen bringt, Nahrungsmittel verändert, nasse Kleider trocknet, Der Fantasie sind (fast) keine Grenzen gesetzt Einfach köstlich!

und sie werden sich aber gleichzeitig auch den Gefahren des Verbrennens bewusst. Was man alles mit einem Feuer kochen und bräteln und schmoren kann, probieren wir jedesmal aufs Neue aus und dürfen dabei viel lernen. Von Schlangenbrot, Schoggibananen, diversen Suppen bis zu Gemüse wurde schon viel experimentiert. Als Krönung wurde heute sogar ein Kaffee über dem Feuer gebraut - allerdings nur für die Erwachsenen! So richten wir es uns immer besser und besser ein, stets mit dem Fokus, dass es für alle Beteiligten stimmig ist.

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24. Mai 2008

Überraschungs - Mahlzeit

Sara Dhanista hat heute verkündet, dass sie gerne das Mittagessen für Beim Kräuter pflückenuns alle kochen möchte. Das macht sie eigentlich immer wieder mal. Doch anders als sonst war heute, dass sie ganz alleine in der Küche sein wollte. Wer einen harmlosen Versuch unternahm, ihr beim Kochen zuzuschauen, wurde sofort aus der Küche geschickt. Zum kleinen Ärgernis von Olivia Nayana, die schon ziemlich grossen Hunger hatte, wollte sie uns nicht einmal verraten, was sie denn überhaupt kocht. Wir hörten die verschiedensten Geräusche aus der Küche, von Zwiebeln schälen, Pfannen klimpern, bis irgend etwas pürieren. Weiter konnten wir sie beim Kräuter pflücken beobachten  und sahen schliesslich verwundert zu, wie sie die fertig gekochte Mahlzeit statt auf einen Tisch auf die Sandsteinmauer im Garten hinstellte. Bevor sie mit dem Anrichten auf den Tellern begann, widmete sie sich ganz gemütlich der Platzzuteilung auf der Mauer, den Tellern, dem Besteck, den Servietten und den Getränken. Auch an den Waschlappen für Nalin hat sie gedacht.

Das Essen wird angerichtet!Mmmmhh!!  Irgendwann war es dann soweit und wir durften Makkaroni mit Tomatensauce probieren. Es schmeckte. Klar, es hat noch Verbesserungspotenzial. So hat sie z.B. vergessen, das Kochwasser der Makkaronis zu salzen. Dafür war die Tomatensauce gut gewürzt, so dass es kaum störte. Die Kombination des süssen Rahmdesserts mit Kräutern war eher etwas gewagt und wir waren uns alle einig, dass es wohl ohne Kräuter noch leckerer wäre.

Wir freuen uns alle über Sara Dhanista's kreative Kochkünste und sind gespannt, was sie uns als Nächstes servieren wird.

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16. Mai 2008

Pro - Lernen - Treff im Wald

Spannendes im KesselWährend der Winterzeit haben wir die Pro - Lernen - Treffs in der Turnhalle abgehalten, was sich sehr bewährt hat. Obwohl uns die Turnhalle nach wie vor am Mittwoch - Nachmittag zur Verfügung steht, werden wir uns für die wärmeren Monate an einem idyllischen Plätzchen im Wald an einem kleinen Bach treffen. Bei sehr schlechter Witterung können wir uns aber jederzeit für die Turnhalle entscheiden.

Ayiana und Nayana Gestern war es zum ersten Mal in diesem Frühling soweit und wir haben nach einer 15 minütigen "Wanderung" unser Plätzchen erreicht. Trockenes Holz für ein Feuer zu finden war heute einfach und schon bald sprudelte die Buchstabensuppe im Kochtopf.  Die Kinder hatten allerhand zu tun mit dem Erkunden des Waldes und Baches. Begeisterung löste ein Frosch aus, welcher sich fangen liess und dann von Hand zu Hand weitergereicht wurde, bis er schliesslich in den kleinen Kessel mit Wasser gesetzt wurde. Später wurde dem Frosch ein Steinhaus gebaut, wo er für kurze Zeit wohnen musste, bis er wieder in Freiheit entlassen wurde.

Gross und Klein spielte miteinander und Nalin, der einzige Knabe heute, wurde immer mal wieder von einem Mädchen angestrahlt und an der Hand über die wackeligen Steine geführt.

Steinhaus für den FroschÜber wackelige Steine

Interessierte Familien sind jederzeit herzlich eingeladen, uns an die "Pro-Lernen - Treffs" zu begleiten!

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12. Mai 2008

Treffen des Continuum-Netzwerkes Schweiz

Idyllische Gegend am BachSeit einigen Jahren nehmen wir am jährlichen Treffen des Continuum-Netzwerk Schweiz teil. Hier kommen die unterschiedlichsten Leute zusammen, welche aber alle den gemeinsamen Bezugspunkt des Continuum Concepts von Jean Liedloff haben. Wie das überall der Fall ist, so hat man mit einigen Leuten ganz intensiven Kontakt und lange und spannende Gespräche, mit anderen weniger.

Während die Kinder in einer vorbereiteten Umgebung spielen und die Natur erkunden, besteht für die Eltern jeweils die Möglichkeit, an Gesprächsrunden zu verschiedenen Themen teilzunehmen. Diese finden in einem Kreis auf Strohballen statt, Gesprächsrundewobei der Kreis dann immer kleiner wird, da zuletzt nur noch jene Leute mitreden, die sich auch wirklich für das entsprechende Thema interessieren.

Als wir vor vier Jahren das Thema 'Continuum Concept und Bildung zu Hause' einbrachten, kam uns nur von wenigen Teilnehmern Verständnis entgegen. In diesen vier Jahren muss sich etwas getan haben, da es im Gegenteil nur noch von Wenigen in typischer Weise kritisch hinterfragt wurde. Diese "Ausnahmen" kamen wie üblich mit Fragen über die notwendige Sozialisation und ähnlichem. Jemand meinte sogar, sie würde nicht "Bildung zu Hause" machen wollen, denn sie wolle ihre Kinder ja nicht einsperren! Wie bitte??? Wir sperren unsere Kinder alles andere als ein. Vielleicht sollte man diese Frage umkehren und besser an die Volksschule richten! Die Mehrheit der Leute war aber sehr offen für alternative Schulformen. Jemand bedankte sich sogar bei uns, dass wir unser Lernprojekt so natürlich vorleben, davon berichten und andere teilhaben lassen, ohne zu missionieren. Wir stellten in einem Gespräch auch klar, dass die Umsetzung unserer Bildungsalternative nicht die einzig wahre und richtige Form sei.. Es gibt viele Möglichkeiten und jede Familie muss ihren eigenen Weg dazu finden. "Bildung zu Hause" bzw. "Unschooling" ist ein Weg davon und für uns ist er im Moment genau der Richtige. Es hatte auch Leute mit sehr viel Erfahrung aus alternativen und nicht-direktiven Schulen und sie sind während der letzten Monate immer mehr zur Überzeugung gekommen, dass "Unschooling" einige Vorteile gegenüber Alternativschulen besitzt. Vor allem beeindruckte uns die Aussage, dass die Schule, egal welche, immer ein Risiko darstelle, weil sich die Umgebungsparameter dauernd ändern können. Was einmal für gut befunden wurde, könne sich innerhalb von kurzer Zeit ändern. Andere Lehrpersonen, andere Eltern und auch andere Kinder können ein harmonisches Umfeld jederzeit stören oder gar zerstören. Dies verursache grosse Reibungsverluste und verlange von den Eltern jeweils viel Energie. Als weiteren Grund nannten sie die sehr hohen Schulkosten. Viele haben plötzlich gemerkt, dass sie für das viele Geld, welches sie monatlich für eine Privatschule zu zahlen haben, für eine schöne Umgebung bei sich zu Hause einsetzen können. Zudem wurde ihnen auch bewusst, dass sie zu Hause viel stressfreier Leben können, da die Kinder nicht zu einer bestimmten Zeit zur Schule gebracht werden müssen. Und fast die wichtigste Erkenntnis ist, dass sie zukünftig nicht mehr von den Kindern getrennt sind, sondern mit ihnen die Zeit verbringen dürfen.

Das sind alles Punkte, welche wir persönlich nur unterschreiben können. Es ist immer wieder schön zu merken, dass auch andere Leute darauf kommen. Es waren auch Leute dabei, welche gerade im Begriff sind eine alternative Schule zu gründen. So wachsen überall kleine Pflänzchen, welche eine Diversifikation zur staatlichen Monokultur der Schule bilden und das ist gut so.

Weitere Eindrücke aus dem Treffen:

 Kochen am FeuerMusizieren Hier hat jemand Hunger  Kinder beim Stroh-Werfen

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8. Mai 2008

Kreatives Miteinander

Am WassertischEs gibt immer wieder Zeiten, da ist der grosse Sandhaufen in unserem Garten heiss begehrt. Nachbarskinder, Kinder von Freundesfamilien und auch unsere drei Sprösslinge können hier experimentieren, bauen, ausprobieren, matschen und vieles mehr. Der Wassertisch, an welchem "gewässerlet", Sandkaffe gebraut oder Blumentrunks hergestellt werden, ergänzt den Sandhaufen ideal.

Vor kurzem hatten wir Im SandhaufenBesuch von zwei Familien. Die insgesamt sechs Mädchen verschiedenen Alters vergnügten sich fast 5 Stunden lang miteinander beim Sandhaufen. Zwischendurch wurden ihre Puppen spazieren gefahren und es wurde schlafen gespielt oder Blumen gepflückt. Es gab während all dieser Stunden keinen einzigen Konflikt, keine einzige Träne, keinen einzigen Misston. Zwischendurch wurden wir Mütter gerufen, um kurz ihre Werke zu besichtigen oder es hatte jemand Hunger, ansonsten wurden wir kaum gebraucht. Harmonie pur und für alle Beteiligten erfüllende Stunden! Nalin und Olivia haben die Welt um sich herum vergessen

Der Ganzheit wegen möchte ich noch hinzufügen, dass Harmonie bei uns etwas ganz Normales und Alltägliches ist!

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7. Mai 2008

Typische Fragen zu Unschooling - Thema Sozialisation

Gerne beantworten wir Fragen, die uns im Kontext unseres Projektes 'Bildung zu Hause' immer wieder gestellt werden. So wollen wir heute zum Thema Sozialisation etwas sagen.

Fragen zu Sozialisation

  • Brauchen die Kinder nicht andere Kinder zum Spielen?
  • Haben die Kinder auch Kontakt zu anderen Kindern?
  • Wie bekommen eure Kinder Freunde?
  • Wie lernen denn eure Kinder soziales Verhalten?

Wir fassen den Begriff Sozialisation ohne akademische Abhandlung einmal bewusst kurz zusammen, so wie wir ihn verstehen.

Mit Sozialisation bezeichnen wir das Hineinwachsen des Menschen in die Gesellschaft.

Wir gehen davon aus, dass jeder gesunde Mensch den Grundtrieb in die Gesellschaft hineinwachsen zu wollen, in sich vorhanden hat. Soziales Verhalten muss dem Kind nicht gelehrt werden. Kinder haben von Anfang an eine eigene Persönlichkeit und sind damit menschlich und sozial kompetente Partner ihrer Eltern. Wir Erwachsenen müssen lernen, scheinbar störendes Verhalten in Botschaften zu übersetzen. Ist es nicht interessant, dass Kinder in 9 von 10 Handlungen die Kooperation suchen und nicht den trotzigen Eigennutz. Es gibt nämlich keine trotzigen Kinder, sondern nur trotzige Eltern. Ein Kind ist von Natur aus sozial. Man kann im Kind das sozial veranlagte Verhalten nur abwürgen. Das ist heute erforscht, nur interpretieren die Erwachsenen das Kindsverhalten aus einer vergangenheitsorientierten Erziehungsperspektive, welche noch nie etwas von gleichwürdigen Gemeinschaften gehört hat (lese Jesper Juul: Das kompetente Kind).

Ein Kind benötigt vor allem Stabilität im Minimum von einer Bezugsperson und eine adäquate Umgebung, wo mit Liebe und Respekt miteinander umgegangen wird. Wir haben dabei selber die Erfahrung gemacht, dass Kinder keine Kinder benötigen. Sie geniessen zwar andere Kinder jederzeit, aber sie brauchen sie nicht. Sie benötigen vor allem die stabile Bezugsperson und diese nicht nur am Morgen und dann wieder am Abend. Gleichaltrige Kameraden oder Freundinnen werden erst in der Phase der Pubertät benötigt (lese Rebeca Wild: Erziehung zum Sein).

Dass die Gleichaltrigenorientierung, wie sie in den meisten Schulen von klein auf praktiziert wird, den familiären Zusammenhalt zerstört und die Entwicklung zu wahrer Eigenständigkeit blockiert, will niemand so richtig hören (lese Neufeld Gordon/Maté Gabor: Unsere Kinder brauchen uns!).

Der Staat hat mit der angeblichen Sozialisierung, die er mit planerischen Massnahmen, resp. mit schulischer Erziehung uns vorgaukelt, vor allem wirtschaftsfreundliche und konsumorientierte Bürger im Fokus.

So antworten wir jeweils, wenn uns die Frage nach der Sozialisierung unserer Kinder gestellt wird: "Welche Sozialisierung meinst Du, Sozialisierung als treuseliger Bankangestellter, als verantwortungsvoller Arzt, als Astronaut, als Computerfreak oder als freischaffender Künstler?" Dann kommt schnell die Präzisierung nach sozialem Verhalten und dem Zusammensein mit anderen Kindern.

Tja. Wir sperren unsere Kinder ja nicht ein. Wir hatten gerade Besuch von zwei Familien mit Kindern und da sagt ein Bild zum Thema soziales Verhalten mehr als tausend Worte.Kinder spielen mit Blumen

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2. Mai 2008

Typische Fragen zu Unschooling

Bei Gesprächen und Diskussionen über die Art und Weise wie wir uns die Bildung unserer Kinder vorstellen, kommen immer wieder die gleichen Fragen entgegen. Es sind dabei so offensichtlich immer die gleichen Fragen, dass wir uns schon gefragt haben, wo man diese Fragen nur lernt. Es sind scheinbar individuelle und persönliche Fragen, sind sie aber nicht. Wir kommen in einem späteren Blog auf dieses Thema zurück.

In der Folge wollen wir die typischen Fragen einmal auflisten, die uns immer wieder begegnen.

Sozialisation

  • Brauchen die Kinder nicht andere Kinder zum Spielen?
  • Haben die Kinder auch Kontakt zu anderen Kindern?
  • Wie bekommen eure Kinder Freunde?
  • Wie lernen denn eure Kinder soziales Verhalten?

Schule, Maturität, Ausbildung

  • Warum schickt ihr eure Kinder nicht in eine Privatschule, wo ebenfalls informelles Lernen praktiziert wird? Ihr habt doch eine solche Schule in eurer Gemeinde, oder?
  • Sollte man den Kindern nicht die Freiheit gewähren, in die Schule gehen zu dürfen?
  • Bis zu welcher Klasse wollt ihr Bildung zu Hause praktizieren?
  • Wie schaffen eure Kinder den Übertritt in eine höhere Schule?
  • Wie können eure Kinder überhaupt eine Berufsausbildung machen?

Lernen, Wissen, Können

  • Liegen die Kinder nicht den ganzen Tag faul herum und tun nichts?
  • Wie lernen die Kinder denn Lesen und Schreiben?
  • Wie macht ihr das mit dem Lernen einer 2. und 3. Fremdsprache?
  • Wie lernen eure Kinder höhere Mathematik?

Realität

  • Müssen denn die Kinder nicht auf die Realität vorbereitet werden?
  • Tut es nicht gut, wenn die Kinder auch die harte Realität, welche sie im späteren Berufsleben einmal erfahren werden, bereits in der Schule kennen lernen? (meistens nicht in Frageform)

Generelle Bemerkungen

  • Ich bin halt gegen antiautoritäre Erziehung.
  • Ich bin selber sehr gerne in die Schule gegangen.
  • Unser Kind freut sich jetzt schon auf den Kindergarten und die Schule.
  • Wir werden ja sehen wie es herauskommt.

So kommen Fragen über Fragen. Oft sind es eben keine Fragen, sondern eher unreflektierte Antworten zur normativen Kraft des Gegebenen. In Folge-Blogs beantworten wir die Fragen, wie wir sie jeweils, teils humoristisch, teils fundiert oder oft auch auf ganz unkonventionelle Art beantworten.

Bis bald.

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