Pro-Lernen

In der Folge stellen wir unser Projekt 'Pro-Lernen' vor, in welchem wir einem interessierten Kreis von Eltern und anderen lernenden Menschen darstellen wollen, wie wir Bildung Zuhause mit unseren Kindern angehen, was unsere Vision und unsere Ziele sind, was wir unter Lernen verstehen, was unsere Ansätze dazu sind und was unsere aktuellen Projekte sind.

24. Oktober 2008

Werken und Gestalten

Immer wieder sind Sara und Olivia mit einer Gestaltarbeit beschäftigt. Zur Zeit arbeiten sie an mehreren Objekten mit verschiedenen Techniken gleichzeitig: Glasuntersetzer mit Rundweben, Kleine Teppiche am Webrahmen weben, Wollbilder trocken filzen, Bälle nass filzen,Untersetzer und Teppichnass gefilzte BilderBall filzen   Kumihimo-Schnüre flechten, Fadenstern-Schnüre knöpfen und kleine Körbchen aus Bast flechten. Das Weben und Flechten sind Arbeiten, welche sie immer wieder ein Stück weitermachen. Es gibt Tage, da wird mit viel Ausdauer und Geduld an einem Gegenstand gearbeitet, während es andererseits Tage gibt, wo die angefangenen Arbeiten nur kurz weitergeführt werden oder ganz liegen bleiben, bis das Bedürfnis daran zu arbeiten wieder zurückkehrt. Oft geht es gar nicht um den Gegenstand selber, sondern um die Freude am Tun. So haben wir seit 2 Jahren Specksteine, an welchen geschliffen und gefeilt wird, ohne dass etwas Bestimmtes entsteht. Ist keine Lust mehr zum Weitermachen vorhanden, so werden die Specksteine wieder versorgt und es wird ein anderes Mal daran weitergearbeitet. Brauchen die Kinder aber etwas z.B. für ein Rollenspiel, dann wird der Gegenstand von den Kindern schnell hergestellt, damit er auch sofort fürs Spiel benutzt werden kann.

Schnüre und Bändeli knöpfenFlechtkörbchen und FantasiebaumWeben

In unserem Gestaltungszimmer haben wir eine grosszügige Auswahl an vielen unstrukturierten Materialien wie Wolle, Schnüre, Karton, Papier, Kork, Filzmaterial, Ton, Gips, Bast, Naturmaterialien, Farben, Stoffe, Rollen, Perlen, Knöpfe, Kugeln, Tücher, Gläserdeckel, Krimskrams, usw. usw. und natürlich viele Bastel-und Werkbücher. Die Kinder lieben es, dort etwas auszuwählen und sich anschliessend ein Fantasiebild zusammen zu leimen. Manchmal blättern sie ein Buch durch und entdecken etwas, das sie gerne selber machen würden oder ich mache einen Vorschlag und wir machen etwas gemeinsam.

So haben die Kinder immer wieder die Möglichkeit, mit anderen Materialien und neuen Techniken zu werken und zu gestalten.

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17. Oktober 2008

Rollenspiel Schule Teil 2

Sara wollte mit mir ein Spiel machen: Sie spielte ein Mädchen, welches nicht mehr in die Schule will und ich war eine Mutter, welche das Kind von der Schule zu überzeugen versuchen musste. Auf ihre Bitte, dass sie lieber zu Hause lernen will, statt in die Schule zu gehen, musste ich jedesmal kontern, argumentieren und die Schule überzeugend vertreten. Sie hingegen packte Argument um Argument aus, um mich vom Gegenteil zu überzeugen. Es entstand ein spannendes Gespräch und ich war ziemlich verblüfft, wie überzeugend sie für ihr Anliegen, zu Hause lernen zu dürfen, argumentierte. Es ist ja nicht so, dass wir ihr Schlechtes über die Schule erzählen oder sie gar manipulieren. Wir als Eltern leben Werte und Haltungen, welche unsere Kinder zweifelsohne mitbekommen. Ob denn Sara nie das Bedürfnis habe, in die Schule zu gehen, werden wir ab und zu gefragt. Nein, dieses Bedürfnis scheint sie tatsächlich nicht zu haben. Sara hat diesbezüglich auch keinen Druck. Denn sie weiss, dass sie sofort in die Schule gehen dürfte, wenn sie das möchte (Natürlich müssten wir Eltern dann mehr als nur einmal leer schlucken.......!!) Sara wundert sich jedoch viel mehr, dass die anderen Kinder zur Schule müssen und nicht auch Pro-Lernen machen dürfen. Zudem hat sie nie das Gefühl gehabt, dass sie etwas nicht darf, was andere dürfen. Denn seit Sara zwei Jahre alt war, war auch schon die Idee von Pro-Lernen geboren. So war für sie früh klar, dass sie Pro-Lernen macht und andere gehen in die Schule. Durch den teils intensiven Kontakt mit anderen Unschooling-Freundeskindern in unmittelbarer Wohnnähe und auch solchen, die etwas weiter entfernt wohnen, gibt das Sara ein Gefühl des Angeschlossen-Sein. Das obengenannte Spiel, welches wohlverstanden die Idee von Sara war, verdeutlicht uns, dass Sara sehr wohl versteht, was die Unterschiede zwischen Schule und Unschooling sind.

Für uns ist es momentan spannend miterleben zu dürfen, wie Sara intensiv die Schulbücher abarbeitet, ganz nach ihrem individuellen Rhythmus.

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15. Oktober 2008

Rollenspiel Schule Teil 1

Sara's momentaner Alltag: Aufstehen, spielen, frühstücken, "Schule spielen", Mittagessen, draussen spielen oder "Schule spielen"!

Wie das "Schule spielen" funktioniert, möchte ich gerne näher beschreiben: Zuerst zieht sie sich warm an, verabschiedet sich von mir,  geht nach draussen und fährt mit dem Velo im Quartier einen erfundenen Schulweg, bis sie nach einiger Zeit wieder bei uns "in der Schule" ankommt. Sie geht in ein frisch umgestelltes Zimmer, setzt sich an ihren Pult, wählt ein Heft oder Buch aus und beginnt darin zu lesen, schreiben, rechnen, singen. Und das von Morgens bis Mittags, manchmal auch Schule spielen noch Nachmittags bis Abends, immer wieder. Pausen macht sie nach eigenem Gefühl, manchmal längere (1/4 h) und manchmal kürzere (1 oder 2 Minuten). Zudem gibt sie sich jedesmal Hausaufgaben. Braucht sie Hilfe oder möchte mir etwas zeigen, dann ruft sie mich. Zwischendurch mag sie es auch, wenn ich im selben Zimmer bin und ihr zuschaue. Sie arbeitet voller Freude und hat viel Spass dabei. Kürzlich sagte sie sogar zu Nachbarskindern, welche gerne mit ihr gespielt hätten: "Nein, ich möchte jetzt lieber im Rechnungsheft diese Seite ausfüllen, danach lese ich noch eine Geschichte und dann komme ich zu euch. Wartet ihr beim Lindenbaum?" Die Nachbarskinder, welche sich gerade über ihre Schulferien freuten, standen ziemlich verblüfft da, warteten dann aber beim Lindenbaum. 

Olivia's momentaner Alltag: Aufstehen, spielen, frühstücken, Schule spielen, Mittagessen, draussen spielen. Da Olivia fasziniert ist von Sara's Schulspiel, spielt sie gleich auch mit und schreibt in ihren Kindergartenheften mit viel Fleiss Zahlen hinein, bevor sie wieder etwas anderes spielen geht. Wobei ich hier erwähnen möchte, dass auch beim Spielen, oder eben gerade beim Spielen, sehr viel gelernt wird!

Während die Mädchen also oft mit "Schularbeiten" beschäftigt sind, arrangiert sich Nalin mit Puzzles, Rollenspiel bei den "Mannli", Bücher anschauen, usw.

Woher die Idee kommt, Schule zu spielen, weiss ich nicht genau. Ein Auslöser dafür könnte sein, dass wir vor kurzem vom kantonalen Amt für Bildung ein ganzes Paket voller Lehrmittel erhalten haben. In diesem Paket sind alle Bücher, Hefte und Materialien enthalten,  welche die Schüler in der Schule bekommen. Vor einem Jahr haben wir schon mal in einem Blog über das Thema "Harmonischer Behördenkontakt" berichtet. LehrmittelDes Weiteren haben wir ein Zimmer umgestaltet und für Sara einen Schreibpult hineingestellt. Etwas später haben wir das Zimmer gleich nochmals umgestaltet, da Olivia auch  einen Schreibpult wünschte. Glücklicherweise hatten wir noch einen im Gestaltungszimmer, welchen wir dort entbehren konnten. Zur Zeit lieben sie es, an ihrem persönlich eingerichteten Schreibpult zu sitzen, zu arbeiten und zu SEIN.

Wir machen unseren Kindern keine Auflage, dass sie die Lehrmittel durcharbeiten müssen. Wir sehen diese vielmehr als Angebot, welches sie nach eigenem Bedürfnis nutzen können. Dass sie völlig freiwillig und selbst inszeniert tagelang am Lernen sind, zeigt:

Freude erzeugt Lernen und Lernen erzeugt Freude!

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10. Oktober 2008

Pro Lernen *eDu" im Oktober

Zwölf Kinder und sechs Mütter trafen sich am vergangenen Dienstag zum Pro-Lernen *eDu* unter dem Motto "Begegnung zwischen Kind und Pferd". Wie immer an den *eDu's* reisten wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an den Zielort. Natürlich benötigt man auf diese Weise im Minimum doppelt bis dreifach so viel Zeit für einen Weg. Es ist uns jedoch wichtig, dass auch der Reiseweg mit zum Erlebnis dieses Tages gehört.  SchliesslichKinder mit Pferd beim Reitstall angekommen, durften zuerst die kleineren Kinder und dann auch die Grösseren immer in 4-er Gruppen zusammen mit der Pferdepädagogin den Kontakt mit dem Pferd aufnehmen. Zuerst einmal mussten die Kinder ihre Erwartungen von "sofort aufs Pferd sitzen und losreiten!" abstreifen und sich damit zufrieden geben, dass das eine Pferd mit allen geteilt wird. Bei dieser Art Reiten geht es nicht darum, dass man das Pferd als Sportgerät benutzt, sondern um das Pferd bewusst wahrzunehmen, mit ihm vertraut zu werden und Zentrierung zu finden. Vor allem die kleineren Kinder getrauten sich anfangs nur scheu an das verhältnismässig "riesige" Pferd heran. Dem spielerischen Herantasten ans Pferd folgte zum Schluss die Krönung, nämlich das Raufsitzen und davontraben. Jedes Kind hätte wohl gerne noch viel länger das Sitzen auf dem Rücken des Pferdes genossen. Nach dem anschliessenden gemeinsamen Picknicken auf der Wiese, spannenden Gesprächen und Spielen und Toben machten wir uns wieder auf den Heimweg.

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2. Oktober 2008

Feuerwehr

Als wir kürzlich gemütlich am Morgenessen waren, klingelte es an der Haustüre. Blitzschnell rannten die Kinder zur Türe und öffneten. Entgegen ihrer Erwartung waren keine Kinder draussen, welche sie zum Spielen abholten, sondern ein Feuerwehrmann. Es brannte nirgends, nein, doch ich wurde freundlich gefragt, ob ich bereit wäre, das Weidentunnel beim Hydranten etwas zurück zu schneiden, damit man bei einem Brand schnellen Zugang zum Wasser hätte. Freundlicherweise machte er sich die Arbeit, den Hydranten zu kehren, so dass die "Arme" weg vom Tunnel schauen und man die Weiden weniger weit zurück schneiden musste. Er habe selber auch ein Haus mit Garten und er wisse, wieviel Herzblut da drin stecke. Für unsere Kinder gab allein die Anwesenheit des Feuerwehrmannes natürlich Anlass, tausend Fragen zu stellen. Bis jetzt hatte sich nämlich nur Nalin für Feuerwehrautos interessiert, den Mädchen schien der rote, grosse Lastwagen egal zu sein! Also setzten wir uns vor den PC und gaben im Internet das Stichwort Feuerwehr ein. Bilder, Informationen und kurze Filme gaben uns schnell wichtige Einblicke in dieses Thema. Für jedes Kind entdeckten wir altersgerechte Informationen und jedes war wieder von ganz anderen Details beeindruckt. Während die Sirene des Feuerwehrautos den Mädchen schnell mal zu laut wurde, so konnte Nalin sich fast nicht satthören von "Tatü-Tato-fahrenden Autos". Olivia wollte immer wieder sehen, wie das Kätzchen gerettet wurde und Sara war überrascht, wie ein Kinderzimmer mit einer einzigen Kerze innerhalb weniger Minuten zerstört werden konnte. Doch auch wie es im Innern eines Feuerwehrautos aussieht, faszinierte alle drei. Es wurden anschliessend Bücher zu diesem Thema gesucht, Olivia und Nalin spielten Feuerwehr mit den Spielautos und für Sara war es wichtig zu wissen, wie man sich retten kann, was zu tun ist wenn es brennt, welche Nummer man telefonieren muss, was man denn sagen muss, ob man bei Rauch immer  auf den Boden liegen soll, usw. usw. Über die Polizei und den Krankenwagen wurde ebenfalls intensiv gefragt. Zum Schluss hab auch ich Interessantes erfahren, wie z.B. dass ein Spielzeug aus Plastik viel, viel schneller zu brennen beginnt als eines aus Holz. Am Nachmittag konnten wir noch miterleben, wie der Feuerwehrmann den Hydranten ausprobierte und sahen, wie und wo das Wasser rausspritzte. Wir erfuhren vom Feuerwehrmann, dass es möglich ist, die Feuerwehr in Herisau zu besuchen und die Anlage zu besichtigen, was wir gerne einmal in einem Pro-Lernen *eDu* tun werden.

So gibt uns der Alltag in allen Variationen immer Anlass zum Lernen!

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