Pro-Lernen

In der Folge stellen wir unser Projekt 'Pro-Lernen' vor, in welchem wir einem interessierten Kreis von Eltern und anderen lernenden Menschen darstellen wollen, wie wir Bildung Zuhause mit unseren Kindern angehen, was unsere Vision und unsere Ziele sind, was wir unter Lernen verstehen, was unsere Ansätze dazu sind und was unsere aktuellen Projekte sind.

20. Januar 2009

Mathematik im Alltag

Für uns Eltern ist es immer wieder spannend miterleben zu dürfen, wie unsere Kinder die Prinzipien der Mathematik im natürlichen Alltag entdecken. Zwar hatte Sara mal eine Phase, in der sie mit Begeisterung 'Schule' spielte. Dabei hat sie auch in den Rechnungsbüchern und Heften gearbeitet. Das 1. Klasse-Buch liess sie allerdings links liegen, denn sie meinte, dass sie jetzt sowieso in der 2. Klasse wäre. Also begann sie sogleich mit dem Heft der 2. Klasse, welches auf den ersten Seiten eine Repetition des gesamten 1. Klasse Schulstoffes beinhaltet. 

Die Seiten der Mathematik des Schulstoffes der 1. Klasse bearbeitete Sara zum richtigen Zeitpunkt innerhalb von zwei Tagen.

Wieso konnte sie das, obwohl wir das mit ihr nie geübt haben? Der Grund ist einfach: Mathematik findet überall statt! Dazu braucht es keine Rechenbücher und Arbeitshefte. Es gibt unzählige Situationen, in welchen die Kinder rechnen ohne sich dessen bewusst zu sein. Untenstehend sind nur einige wenige Beispiele davon erwähnt.

Eines davon ist Sara’s Hobby, das Kochen. Wenn sie aufgrund der Vorgaben im Kochbuch kocht, dann ist sie immer mit Zahlen konfrontiert. Dabei lernte sie schon vor längerer Zeit die Hohlmasse und die Gewichte kennen, wie hier beschrieben. Kürzlich backte sie einen Kuchen, wobei sie gleich die doppelte Menge Teig zubereitete. Hier wurde also alles mal zwei multipliziert. Als sie den Kuchen dann in Stücke schnitt und verteilte, war die Division gefragt.

Auch spielen die Kinder sehr gerne mit dem Verkaufsladen. Auf diese Weise hat Sara das Schweizer Geld und dessen Wert praktisch erfahren und kennen gelernt. Nicht nur, dass reale Kaufsituationen nachgespielt werden, hier wird auch gerechnet. Kürzlich meinte Sara: "Heute hab ich in meinem Laden aber viel verkauft. Ich hab gerade die Kasse gelehrt und das Geld gezählt. Da sind 429 Franken drin!" Es wird addiert, Differenzen berechnet, Retourgeld herausgegeben. Zusätzlich fliesst der Deutschunterricht auch noch gleich mit ein: Es wird in hochdeutscher Sprache gespielt, das Gekaufte wird mit Namen auf einen Zettel geschrieben und daneben kommt der Preis, à la Kassabon!

Natürlich übt sich Sara auch in den richtigen Läden mit dem Geld. So geniesst sie es, wenn sie einen Betrag an der Kasse bezahlen darf.

Sind wir mit dem Bus unterwegs, so ist Sara damit beschäftigt, Leute zu zählen. Wieviel Personen sind im Bus, wieviel sind eingestiegen und wieviel ausgestiegen, wieviel sind jetzt noch drin? Das gibt dann Kettenrechnungen wie z.B. 23 minus 8 plus 5 gibt 20.

Auch das Interesse an Längenmassen findet ganz natürlich statt: So will Sara immer wieder wissen, wie gross sie ist und wieviel Zentimeter sie seit dem letzten Messen gewachsen ist. Wie weit ist es von hier nach dort? Diese Fragen kommen auch immer wieder und das Gefühl für Distanzen wird von mal zu mal differenzierter.

Es werden die Tage bis zu einem bestimmten Tag gezählt oder es wird die Differenz von Tagen zwischen zwei Geburtstagen ausgerechnet. Jahreszeiten, Monate, Wochen, Tage und Uhrzeit fliessen ebenfalls in das Thema Mathematik.Das Einmaleins setzt Sara oft ein, ohne zu wissen, dass diese Art zu rechnen das berühmte Einmaleins ist. Sie weiss, wie es funktioniert und wie man es anwendet und irgendwann, wenn es Sinn macht, wird sie es mechanisieren und auswendig lernen wollen.

Beim Jassen, wo jede Karte eine andere Punktzahl hat, werden zum Schluss die Punkte zusammengezählt und mit den anderen Mitspielern verglichen.

Auch Olivia ist täglich mit Zahlen beschäftigt. So verkündete sie gerade heute: “Beim Sternenspiel hab ich schon sieben Sterne gefunden. Mir fehlen nur noch drei und dann hab ich alle zehn!”

Ja eigentlich vergeht fast kein Tag, an dem nicht auf irgendeine Art und Weise Mathematik stattfindet.

Lernen findet überall statt! Oder?

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4. Januar 2009

Grenzen mit Kindern

Aus dem Bedürfnis uns noch intensiver über unseren Alltag mit den Kindern auszutauschen und miteinander zu wachsen, ist im vergangenen Herbst die *Eltern-Inspiration* entstanden. Wir, vier Unschooling-Mütter aus der Ostschweiz, treffen uns nebst den wöchentlichen Pro-Lernen-Treffs regelmässig ohne Kinder für einige Stunden und reflektieren dabei über die verschiedensten Themen im Zusammenhang mit unseren Kindern. Gegenseitig haben wir uns auch autorisiert, dass wir uns ehrliche Rückmeldungen geben dürfen. Obwohl wir uns jeweils einen ganzen Morgen treffen, verfliegen die Stunden im Nu und die Gespräche sind immer sehr profund, lebendig und bereichernd.

Unser momentanes Schwerpunkt-Thema heisst: Grenzen mit Kindern! Wir Unschooler werden oft mit antiautoritärer Erziehung in den gleichen Topf geworfen. Meistens wird angenommen, dass unsere Kinder ALLES dürfen, da sie ja nicht zur Schule müssen und selber entscheiden dürfen, was sie gerade tun und lernen wollen. Da wir aber unsere Kinder weder antiautoritär erziehen noch überhaupt erziehen wollen, führt das bei Vielen zu Verwirrungen.

Einige unserer LieblingsautorenInnen wie Naomi Aldort, John Holt, Marshall Rosenberg, Jesper Juul, Rebeca Wild und Andere bilden die Basis für unseren Austausch. Es geht vor allem ums wo setze ich Grenzen, wie setze ich Grenzen und wie helfe ich dem Kind dabei, die Grenze einzuhalten. Darüber könnte man jetzt natürlich ein ganzes Buch schreiben, doch ich werde versuchen, unser profundes Gespräch auf einige Kernsätze zusammenzufassen:

Beim wo setze ich Grenzen kamen wir schnell zum Schluss, dass wir so die Grenzen setzen, dass für alle Beteiligten eine entspannte Umgebung gewährleistet ist. Eine entspannte Umgebung bedeutet, dass sich ein Mensch, egal welchen Alters, körperlich und emotional sicher und wohl fühlt.

Natürlich gibt es viele Arten, wie man Grenzen setzen kann. Für uns ist immer wieder spannend, wie unterschiedlich berühmte Autoren das Thema Grenzen angehen. Während Wild’s z.B. gerne die Grenzen so knapp wie möglich erklären, setzt Jesper Juul die Grenzen bei sich selber statt beim Kind, indem er sagt: ICH will das nicht. Wie es Marshall Rosenberg angeht, ist im Beispiel unten beschrieben. Bei Naomi Aldort ist alles nochmals anders. Mit ihrer wunderschönen Formel S.A.L.V.E (S für stummes Selbstgespräch, A für Aufmerksamkeit, L für Lauschen, V für Verständnis und E für Ermutigen) schafft sie einen einfühlsvollen Zugang zum Kind.

Damit sich ein Kind auch an Grenzen halten kann, ist es wichtig, ihm dabei zu helfen. Es gibt materielle Hilfen wie z.B. Kisten und Gestelle, welche das Ordnung halten erleichtern. Andere Arten von Hilfen können sein: mit dem Kind vorausplanen, Zeit geben, das Kind physisch begleiten, und ganz wichtig auch, dass wir als Grenzsetzer zur Grenze stehen, vorausgesetzt dass die Grenze Sinn macht. Dies sollte man sich allerdings vorher schon gut überlegen! Ein Kind kann sich nämlich ziemlich allein, verlassen und verunsichert fühlen, wenn wir plötzlich von der Grenze abweichen und nachgeben.

An einem Beispiel aus unserer Entdeckungsreise zum Thema Grenzen mit Kindern, welche wir zusammen an der letzten Eltern-Inspiration gemacht haben, möchte ich kurz erläutern, wie man ohne Stress ein Kind an eine Grenze erinnern kann. Einstimmig sind wir nämlich der Meinung, dass auch das Aufräumen und Ordnung halten für uns wichtig sind. Das klingt auf den ersten Blick vielleicht gar nicht nach “entspannter Umgebung”. Interessanterweise machen wir aber alle die gleiche Erfahrung: Wenn nicht aufgeräumt ist, wird uns und den Kindern immer unwohler. Schon unzählige Male durften wir beobachten, wie unsere Kinder ein Zimmer oder eine Ecke tagelang mieden, bis die Unordnung dort wieder aufgeräumt wurde. Scheinbar sind wir Erwachsenen nicht die Einzigen, die so empfinden. Denn alle alternativen Schulen, welche nach dem Prinzip des selbstbestimmten Lernens funktionieren und welche wir besuchten, haben ausnahmslos die Regel des Aufräumens und der Ordnung. Wir machen aber auch die Erfahrung, dass das nicht die liebste Beschäftigung der Kinder ist und deshalb bieten wir den Kindern wertvolle Hilfe an. Anstatt: “Geh bitte das Zimmer aufräumen”, haben wir festgestellt, dass ein Kind ohne Murren kooperiert, wenn es vorbereitet wird und Zeit hat, sich darauf einzustellen und von uns bei Bedarf Begleitung bekommt. So könnte man es nach dem Prinzip der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg z.B. auf diese Weise angehen: “Ich habe gesehen, dass in Deinem Zimmer eine Riesen-Unordnung ist (Beobachtung) und es ärgert mich (Gefühl), wenn Du über alle diese Sachen läufst, denn ich möchte, dass sie unbeschädigt bleiben (Wunsch). Bist Du einverstanden, wenn wir morgen nach dem Frühstück miteinander dort aufräumen (Bitte)?” Das kommt bei Kindern mit grosser Wahrscheinlichkeit gut an. Mit dieser Art Kommunikation findet respektvoller Umgang in Kooperation statt und somit werden auch gegenseitige Grenzen respektiert.

Mein Mann und ich spekulierten am Abend noch weiter, dass die Art und Weise von Grenzen setzen vielleicht weit unbedeutender sein könnte, als derjenige selber, der die Grenzen setzt (wer). Authentische Kommunikation mit Spirit, den wir den oben erwähnten Buchautoren allen zugestehen, kommt nämlich bei jedem Menschen an.

Es ist uns klar, dass es kein Rezept mit nur richtigen Anleitungen gibt. Auffällig ist jedoch, wie die Gruppe der Eltern-Inspiration wirklich sehr viele gleiche Ansätze verfolgt, und gerade das macht das Zusammen-SEIN so befruchtend.

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2. Januar 2009

Literaturliste aktualisiert

Auf unserer Webseite haben wir unsere Literaturliste mit Büchern nachgeführt, welche uns im Jahr 2008 begleitet haben. Neben vielen anderen Büchern haben uns vor allem diejenigen bewegt, welche mit Einfühlung zu tun haben:

  • Gewaltfreie Kommunikation von Marshall B. Rosenberg

  • ALLES FÜHLT von Andreas Weber

  • BIG MIND von Dennis Genpo Merzel Roshi

  • Von der Erziehung zur Einfühlung von Naomi Aldort

Wir können diese Bücher wärmstens empfehlen und geben ihnen 5 Sterne. Unsere umfangreiche Literaturliste kann jederzeit heruntergeladen werden.

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