Pro-Lernen

In der Folge stellen wir unser Projekt 'Pro-Lernen' vor, in welchem wir einem interessierten Kreis von Eltern und anderen lernenden Menschen darstellen wollen, wie wir Bildung Zuhause mit unseren Kindern angehen, was unsere Vision und unsere Ziele sind, was wir unter Lernen verstehen, was unsere Ansätze dazu sind und was unsere aktuellen Projekte sind.

12. Februar 2009

Unsozial!!

Bisher kamen uns vorwiegend interessierte, praktizierende und alle Varianten von Unschooler-Familien aus der Schweiz und aus Deutschland besuchen. Heute war es eine Familie aus Australien, welche zur Zeit in einer ganz anderen Ecke der Schweiz wohnt als wir und uns im Internet gefunden hat! Für uns Eltern und auch unsere Kinder sind solche Kontakte jeweils wohltuend und erfrischend, vor allem wenn es so gut passt wie heute! Es war eindrücklich zu erleben, wie es auf der anderen Seite der Erdkugel eine Familie mit ebenfalls drei Kindern gibt, welche nicht nur zum Thema Unschooling sehr kompatibel zu uns ist. Die Kinder, die sich anfangs noch ein wenig beschnupperten, waren bald in intensives Spielen vertieft und verbrachten einige harmonische Stunden miteinander. Eigentlich müsste das jetzt verwundern, denn Unschooler sollen ja angeblich unsozial sein!?! Wenn man unter unsozial versteht, dass die Kinder neue Beziehungen eingehen, eigene und liebgewonnene Dinge teilen, aufeinander eingehen, miteinander austauschen, zusammen Rollenspiele erfinden und wenn die Kinder miteinander vor Freude sprotzen, ja dann sind all diese Unschooling-Kinder unsozial!

Die Bedingungen in Australien für Bildung Zuhause sind ähnlich wie in der Schweiz - je nach Bundesstaat von ganz unkompliziert bis kontrolliert! So findet sich hier die kleine Welt der Schweizer Kantone in der grossen Welt von downunder wieder! Auch dort gibt es viel mehr Homeschooler als Unschooler. Die Unschooler werden dort in zwei Gruppen unterteilt: In ‘radical unschooler’, welche gar keine Grenzen setzen und in ‘natural learners’, welche sinnvolle Grenzen setzen.  Unsere Kinder stellen nun natürlich viele Fragen zu Australien, besuchen ihren Wohnort virtuell via ‘Google Earth’, finden es faszinierend, dass es bei uns kalt ist und Schnee hat und dort Sommer und 40° heiss ist, bei uns Tag und bei ihnen Nacht, usw. Ein neues Lernfeld hat sich bereits geöffnet. . . . . . .

Übrigens: Kennt jemand den Unterschied zwischen unsozial und asozial? Meinen diejenigen, welche die Sozialisierung als Kritik gegen Bildung zu Hause angeben, Asozialität oder meinen sie soziales Handeln? Wir glauben, dass die Wenigsten den Unterschied wirklich kennen.

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8. Februar 2009

Elterninspiration: Kinder nähren

Dass wir uns für diese Elterninspiration einmal mehr ein grosses Thema ausgewählt haben, bemerkte ich während meiner Vorbereitung. Eigentlich ist das Thema viel zu mächtig, um nur an einem einzigen Morgen darüber zu philosophieren und auch viel zu umfangreich, um es nur in einem kleinen Blog zu würdigen! Vor unserem Büchergestell zu Hause konnte ich mich kaum entscheiden, welche Bücher ich zum Thema ‘Kinder nähren’ mitbringen mochte. Es war unmöglich, alle in Frage kommenden Bücher mitzunehmen! Wohlverstanden, es ging uns nicht um die physische Nahrung, welche allein für sich natürlich auch ein wichtiges Thema ist! Vielmehr wollten wir uns dieses Mal miteinander austauschen, welche essentielle Nahrung unsere Kinder sonst noch brauchen.

Eigentlich wäre es ja ganz einfach: Kinder brauchen Liebe und Respekt. Und das schon als neugeborener Säugling, oder besser noch früher! Für einige von uns waren die Lektüren von Emmi Pikler, Anna Tardos oder Magda Gerber von grosser Bedeutung. Dabei geht es um die nährende, respektvolle und liebevolle Pflege, bei welcher das Baby, das Kleinkind und später auch das ältere Kind für eine gewisse Zeit die ununterbrochene Aufmerksamkeit der betreuenden Person erhält. Die ununterbrochene Aufmerksamkeit ist für ein Kind enorm wichtig. Naomi Aldort beschreibt das in ihrem Buch ‘Von der Erziehung zur Einfühlung’ so: “Ein Kind erlebt seinen eigenen Wert dadurch, dass es unsere Zeit und Aufmerksamkeit wert ist.” Nähren wir unsere Kinder, indem wir sie z.B. mit vollster Aufmerksamkeit pflegen oder indem wir ihnen täglich eine Zeit lang ganz bewusst bei ihrem Tun zuschauen, dann fühlen sie sich wertgeschätzt, wahrgenommen und geliebt! Wenn sich ein Kind in der Liebe seiner Eltern vollkommen geborgen fühlt, braucht es sich nicht auf destruktive Weise auszudrücken.

Wir stellten in unserer Reflektion fest, dass wir unseren Kindern ebenfalls immer wieder unbewusst signalisieren: “Du bist nicht so wichtig wie etwas anderes (Anruf, Besuch, usw.), du stehst in meiner Prioritätenliste weit unten.” Natürlich wollen wir alle keine solchen Signale senden. Doch die Herausforderung ist, das überhaupt zu merken. Die meisten Menschen reflektieren ihr Verhalten nicht und leben ihr anerzogenes Muster. Das Muster kann z.B. sein, dass wir etwas so machen, weil es eben alle so machen! Sind wir ganz achtsam im Umgang mit unseren Kindern, so können wir jedoch solche Fallen erkennen! Um nur ein einfaches Beispiel zu nennen: Es ist ratsam, das Telefon weiterklingeln lassen, wenn wir mitten in der Pflege mit einem Kind sind oder am Geschichten erzählen sind. Im Zeitalter des Telefonbeantworters sollte das ja kein Problem sein! Auf diese Art signalisieren wir wortlos, dass das Kind uns im Moment am wichtigsten ist und das ist Balsam für seine Seele! Damit ist aber nicht gemeint, dass wir den ganzen Tag immer nur neben dem Kind zu sitzen haben. Abgesehen davon, dass das ebenfalls sehr spannend sein kann! Es ist nämlich im Gegenzug auch sehr heilend, wenn wir den Kindern die Möglichkeit bieten, sich selbst zu nähren in ihrem selbstbestimmten Tun! Oder mit anderen Worten: Wir ermöglichen dem Kind, sich selbst zu spüren und mit sich selbst etwas anzufangen (an dieser Fähigkeit mangelt es selbst vielen Erwachsenen!). Dafür gilt es aber eine wichtige Voraussetzung zu erfüllen: Es braucht das, was die meisten Menschen nicht haben, Z E I T. So sind die meisten Mütter von uns bemüht, so gut wie möglich Alltagsstress zu vermeiden.

Eine weitere Frage beschäftigte uns: Wie kann eine Mutter (oder Vater) ihr Kind nähren, wenn sie selber nicht genügend mit Liebe und Respekt genährt ist oder unbefriedigende Bedürfnisse aus der Kindheit hat? Dieser Thematik hatte sich auch der Pädagoge Heinrich Jacoby intensiv gewidmet. Er war überzeugt, dass auf dem Weg zum kompetenten Erzieher eine persönliche Entwicklung vonnöten sei, eine bewusste, prozesshafte Nachentfaltung. Mehr darüber kann man im Buch ‘Entfaltung statt Erziehung, die Pädagogik Heinrich Jacobys’ von Walter Biedermann nachlesen. Allerdings waren wir uns auch einig, dass die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund treten können, sofern wir es schaffen, voll und ganz in die Welt der Kinder einzutauchen und mit der Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt zu sein!

Wie immer nach den Elterninspirationen philosophierten mein Mann und ich später noch weiter. Wir kommen darauf, dass eigentlich ALLES Nahrung ist. Wir als Eltern sind Nahrung, einzig und allein mit unserem Dasein, unsere Art und Weise ist Nahrung, die Geschwister sind Nahrung, die Umgebung ist Nahrung. Lachen und Gesang ist Nahrung für unser Herz, Körperkontakt stillt unseren Hunger nach Berührung, ein Sonnenuntergang am Meer stillt unseren Hunger nach Stille oder Schönheit. Jeder Mensch ist auch für sich selbst nährend, im Sinne eines autopoietischen Systems, das alles was und wie es etwas ausdrückt oder produziert (tun, denken, fühlen, usw), immer in einer Art und Weise rekursiv auf sich selbst zurück wirkt.

Nur schon, wenn man in das Feld dieses Themas eintaucht, eröffnet sich eine riesige Dimension. Man könnte auch sagen, dass dieses Thema ein Lebensthema ist!

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5. Februar 2009

Informelles Lernen

Unter dem Titel “Das meiste lernen wir nicht in der Schule” wurde im Zürcher Tagesanzeiger vom 4.2.2009 unter der Rubrik Leben ein interessanter Artikel über Informelles Lernen veröffentlicht, welchen wir unserer Leserschaft gerne weiter reichen wollen.

Man kann sich dem, was Erziehungswissenschaftler seit geraumer Zeit wissen, einfach nicht mehr entziehen. Wenn man sich im Vorfeld bereits vertieft mit dieser Materie befasst hat, dann kann dieser Artikel vielleicht etwas enttäuschen. Aber es ist schon ein riesiger Fortschritt, dass der Tagesanzeiger solche Themen überhaupt aufnimmt. Und es ist der Kreativität des Lesers überlassen, was die Erkenntnisse über Informelles Lernen für unsere Gesellschaft und deren Institutionen bedeuten könnten.

Yes, we can!

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4. Februar 2009

Pro-Lernen *eDu* im Januar und im Februar

Eigentlich wollten wir ja schon im Januar ins Kindermuseum. Kurzfristig hatten wir aber das Programm geändert und so bewunderten wir stattdessen die Tradition des “Alten Silvesters” in Urnäsch. SilvesterchläuseDie beeindruckenden Gestalten der “Silvesterchläuse” brachten uns alle zum Staunen!

Am Februar *eDu* ging’s dafür ins Kindermuseum nach St.Gallen. Ein sonnengelber Aufgang führte uns zum roten, blauen und grünen Raum, die unterschiedliche Themen beinhalteten. Im grünen Raum standen die Sinne. Vom Tastsinn über den Riechsinn bis zum Hörsinn war alles dabei. Welche Fortbewegungsmittel nutzten die Kinder in früheren Zeiten und wie sah das Alltagsleben in der Stadt vor hundert Jahren aus? Besonders spannend fanden die Kinder in diesem Raum den Barfussweg mit verschiedenen Bodenbelägen aus verschiedenen Zeiten, welcher im Dunkeln durch einen Tunnel führte.   Am Riechen   Puppen bestaunen und sich verkleiden

Der rote Raum widmete sich dem Dialog und dem Rollenspiel. Märchen und Geschichten des St. Galler Figurentheaters und technische Spielzeuge begegneten den Kindern hier. Die geräumige Bühne mit Vorhang lud die Kinder ein, sich zu verkleiden oder mit den Puppenfiguren ein Theater zu spielen. Und das taten sie auch mit Begeisterung! Im blauen Raum beobachteten wir Veränderungen im Alltag oder erhielten Anregungen zum Thema Berufswahl, das bei allen unseren Kindern allerdings noch kein Thema ist. An einer Ratestation konnte man sich vom Werdegang berühmter Ostschweizerinnen und Ostschweizer inspirieren lassen - und dann sein eigenes Porträt und seine Berufswünsche oder seinen Namen "an die Wand beamen". Diese Ecke war “ein Renner” bei einigen Kindern!

Das war ein *eDu* zum Staunen, Entdecken und Hinterfragen!

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