Pro-Lernen

In der Folge stellen wir unser Projekt 'Pro-Lernen' vor, in welchem wir einem interessierten Kreis von Eltern und anderen lernenden Menschen darstellen wollen, wie wir Bildung Zuhause mit unseren Kindern angehen, was unsere Vision und unsere Ziele sind, was wir unter Lernen verstehen, was unsere Ansätze dazu sind und was unsere aktuellen Projekte sind.

20. Dezember 2009

Studie über Kanadische Erwachsene, die vor 15 Jahren Bildung zu Hause praktizierten

Unter dem Titel ‘Fifteen Years Later – Home-Educated Canadian Adults, 2009’ ist vom Canadian Centre for Home Education eine bemerkenswerte Studie veröffentlicht worden.

Die erste Generation von Kanadischen Erwachsenen, die vor 15 Jahren als Kinder ‘Bildung zu Hause’ praktizierten und die sich anno 1994 an einer Studie über ‘Home Education’ beteiligten, wurden mittels einer Umfrage eingeladen, ihre Erfahrungen 15 Jahre danach mitzuteilen. Die Umfrage beinhaltete Fragen über ihre wirtschaftliche, Ausbildungs-relevante, berufliche und soziale Grundzufriedenheit sowie weiteren Fragen über ihren heutigen Lebensstil. Die heutige Sicht ihrer Erfahrungen mit ‘Bildung zu Hause’ vor 15 Jahren wurden ebenfalls nachgefragt. Wo immer möglich, wurden die Antworten verglichen mit existierenden Informationen aus öffentlichen Quellen.

Im Allgemeinen zeigen die Befragten grosse Wertschätzung für die Möglichkeit, die ihnen mit ‘Bildung zu Hause’ geboten wurde. Das Bildungsniveau, die berufliche Leistungen und das gesellschaftliche
Engagement dieser Erwachsenen zeigen gemäss dieser Studie den grossen Erfolg von ‘Bildung zu Hause’ in Kanada.

Wir freuen uns, dass zu diesem Thema immer mehr Publikationen und Langzeitstudien aus den USA, Kanada und Australien veröffentlicht werden. Das hilft uns, noch profunder für unser Anliegen zu argumentieren.

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23. November 2009

Schulfrei – lernen ohne Schule Zeitpunkt 104, November/Dezember 2009

Das Magazin Zeitpunkt widmet sich in ihrem Schwerpunkt dem Thema ‘Schulfrei – lernen ohne Schule’. In eindrücklichen Artikeln wird über die verschiedensten Perspektiven des Lernens reflektiert. Einzelne Artikel sind sogar als Link verfügbar.

  • Editorial: Wo wir Untertan werden
  • Produktionsfaktor Kind – in den Schulen werden Kinder als Konsumenten und Arbeitnehmer zurechtgebogen - Roland Rottenfußer
  • Die psychopathische Schule - John Taylor Gatto
  • Die Schule als «Fitnesscenter für die Arbeitsesel des Neoliberalismus»
  • Der gute Schüler - Jens Bjørneboe
  • Lernen, was man wirklich will – wie aus einem Buben, der den ganzen Tag «nur angelte», ein glücklicher junger Mann wurde - Daniel Greenberg
  • Die schiefen Leistungskriterien von PISA - Jens Wernicke
  • Eine Idee macht Schule - Doris Ammann
  • Ich war nie in der Schule ... und bin trotzdem ein gebildeter Mensch - André Stern
  • Lernen ohne Schule und Lehrer – ist Homeschooling eine Alternative? - Monika Beer
  • Mein grösster Lernerfolg  und andere Kurznachrichten
  • Das AntWort - Anton Brüschweiler (Dieser Text erschien erstmals in der Zeitschrift «Schulpraxis» des bernischen Lehrerinnen- und Lehrer-Verbandes LEBE. Die Redaktion gab dem Autor in nicht ganz einwandfreiem aber eindeutigem Deutsch folgende Rückmeldung: “Die Kolumne ist bei vielen LeserInnen seeeehr gut angekommen. Der Stil gefällt.” Uns gefällt er auch.)

Die Artikel sind teilweise sehr kritisch, was gewisse Leser vielleicht aufwühlen könnte. Aber es lohnt sich sicher, ab und zu die Perspektiven zu wechseln. Nur durch Perspektivenwechsel können wir unser begrenztes individuelles Spektrum erweitern.

Beim Lesen dieses Magazins wird uns einmal mehr bewusst, dass wir wirklich nicht die Einzigen sind, die sich mit Schule, Lehrer, Kinder, Lernen, Bildung, Lernumgebungen, Unschooling, Sozialisation, Authentizität, Liebe und vielem Mehr auseinandersetzen. Das gibt uns selber immer wieder neuen Mut.

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22. November 2009

Schule 2030: Ist Homeschooling die Zukunft?

In einem interessanten Artikel schreibt Gérard Bökenkamp über die Schule 2030. Er wagt dabei eine sehr kühne These:

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Homeschooling in der Mitte des kommenden Jahrhunderts nicht die Ausnahme sein wird, sondern breite Verbreitung findet und Elemente des Homeschoolings auch in den Schulbetrieb integriert werden. Den entscheidenden Grund dafür sehe ich in der technischen Entwicklung, besonders im Bereich der neuen Medien.

Lesen Sie hier…

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8. September 2009

Plädoyer für Bildung zu Hause ohne Lehrerpatent

Obwohl die Meinung der öffentlichen Hand bereits gemacht ist, möchten wir dieses Thema aufgreifen und die Sicht aus einer Familie kund tun, die Bildung zu Hause praktiziert und die sowohl ein Lehrerdiplom als auch ein Ergänzungsstudium in Neuer Lernkultur besitzt.

Um vorab unsere grundsätzliche Ansicht klar zu stellen:

Wir sind gegen ein zwingendes Lehrerpatent in der Familie, sondern für nachgewiesene Bildung der Eltern!

In verschiedenen Kantonen der Schweiz wird “Bildung zu Hause (BzH), häuslicher Unterricht, Homeschooling, Unschooling, Freilerner” oder welche Begriffe auch immer man diesem Thema alles zuweist, von öffentlicher Seite her immer mehr thematisiert (wir nennen es nachfolgend BzH). Dabei möchten die Behörden die Auflagen für BzH immer mehr verschärfen. Dabei war der Kanton ZH Vorreiter, indem er in einer neuen Gesetzgebung BzH zwar nicht verboten hat, aber die zu erfüllenden Auflagen insofern verschärft hat, indem er ein Lehrerpatent in der Familie als Voraussetzung für BzH einfordert. Andere Kantone wollen dem Beispiel des Kantons ZH nachziehen, ohne darüber richtig zu reflektieren. Es kommt bei uns jedenfalls so an.

Was macht denn ein Lehrerpatent überhaupt aus?

  1. Ein Lehrer, eine Lehrerin soll sich durch eine gewisse Allgemeinbildung auszeichnen (Betonung auf soll).
  2. Es zeichnet einen Lehrer aus, dass er vorgegebene Lehrinhalte in strukturierter Form einer Gruppe von ca. 15 – 25 unmündigen Menschen im Alter zwischen 6 – 16 vermitteln und überprüfen kann.
  3. Daneben hat ein Lehrer ein Musikinstrument gelernt und allenfalls Sport praktiziert.
  4. Ein Lehrerpatent positioniert sich als akademische Ausbildung.

zu Punkt 1
Dies bringen andere Ausbildungen und andere Lebenspläne ebenfalls mit, vielleicht sogar mehr und umfassender als ein junger Lehrer, der gerade aus der Schule kommt. Es ist in einer pluralistischen Welt längst nicht das Lehrerpatent alleine, das von Allgemeinbildung zeugt.

zu Punkt 2
In einer Familie, in der BzH praktiziert wird, ist eine Qualität, die wie oben beschrieben wird, gar nicht von Belang. Im Gegenteil: sie könnte in der Familien-Praxis gar kontra-produktiv oder hinderlich sein. In einer Familie wird vor allem die 1:1 Beziehung praktiziert, welche ganz andere Qualitäten fordert, wie z.B. Mitgefühl zeigen und liebevolle Beziehung leben. Wir unsererseits praktizieren zusätzlich das Prinzip der vorbereiteten Umgebung, in welcher das Lernen aus intrinsischer Motivation heraus geschehen soll. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass viele Lehrer dieses Prinzip nicht einmal vom Ansatz her kennen.

Die Überprüfung und Reflektion ist für viele in der BzH-Welt ein schwieriges Problem. Dies hängt wiederum von vielen Faktoren ab. Die einen verstecken sich vor Transparenz (Problem des Weltbildes). Den anderen fehlt überhaupt die Fähigkeit zur Reflektion (mangelnde Bildung). Hier verstehen wir die Anliegen und die Schwierigkeiten in der Umsetzung der öffentlichen Hand, resp. der Behörden mit BzH-Familien. Hier sollte von BzH-Eltern auch etwas verlangt werden können.

Von Eltern mit einem Lehrerpatent erwartet man automatisch, dass diese vermitteln und reflektieren können. Können dies wirklich nur Eltern mit einem Lehrerpatent? Zelebriert sich hier das Schulsystem nicht selber?

zu Punkt 3
Dies bringen ebenfalls sehr viele erwachsene Menschen selbstverständlich mit, ist aber unerheblich für die Praxis von BzH.

zu Punkt 4
Es ist wirklich tiefer zu überprüfen, welchen Wert eine akademische oder nicht-akademische Ausbildung im Zusammenhang mit BzH hat. Nach unserer Meinung ist ein Lehrerpatent nur eine von unzähligen Möglichkeiten, die Voraussetzungen für BzH zu erfüllen. Wir würden uns in einer pluralistischen Welt von der Behörde mehr Offenheit für unterschiedliche Lebensentwürfe wünschen.

Es ist nach unserer Meinung kein Lehrerpatent für BzH notwendig, wohl aber Bildung der praktizierenden Eltern.

Die Bildung der Eltern könnte sehr wohl in einem profunden Gespräch mit den Behörden, vielleicht sogar mit dokumentierten Lebensläufen nachgewiesen werden. Aus einer deutschen Statistik wissen wir, dass 80-85% von Akademikern und Beamten studieren. Bei Arbeiterkindern sind es nur noch 12%. Dass heisst, dass sich Akademiker selbst rekrutieren und die Chance eines Studiums für Kinder aus gebildeten Schichten zwanzigmal wahrscheinlicher ist als die für Arbeiterkinder. Wir sind Welten von Chancengleichheit entfernt und es wird ständig schlimmer. Also für Akademiker, egal welcher Herkunft, müssen sich Behörden im Bezug auf BzH keine Sorgen machen.

Wo beginnt nun Bildung und wo hört sie auf? Dies müsste man vertiefter heraus arbeiten. In einer abgeschlossenen Berufslehre mit Weiterentwicklung ist implizit auch schon immense Bildung enthalten. Auch in alternativen Lebensentwürfen ohne staatliches Diplom kann viel Bildung enthalten sein. Herzensbildung ist ebenfalls eine unermessliche Bildung. Dies müsste man von Fall zu Fall anschauen. Es wäre aber Sache der Behörde, diese Bildung zu hinterfragen und einzuschätzen. So hätten die Behörden in der Vorevaluation der Eltern auch eine mitverantwortliche Rolle für die Bildung von BzH-Kindern. Wie es dann in der Familie mit der Bildung der Kinder herauskommt, ist jedoch immer ungewiss. Dafür übernimmt die Behörde oder die Lehrerschaft auch in der Schule keine Verantwortung. Auch die Qualität der regelmässigen Reflektion über die BzH-Kinder zeigt den Behörden den Bildungsstand der Eltern auf. Auch hier könnten die Behörden Einhalt gewähren, falls die Qualität der Reflektion zu Wünschen übrig lässt. Dies ist halt wieder eine Sache der Transparenz und der Bildung.

Es ist auch unsere Meinung, dass Kindern immer eine minimale Chance zu einer guten Bildung gewährt werden muss. Wenn es in der Familie nicht funktioniert, dann vielleicht in der Schule. Die Umkehrung dieser Aussage müsste ebenfalls gelten.

Auch sollte nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen werden. Im Kanton AR sind z.B. von 7000 Schulkindern ca. 20 Kinder, welche BzH praktizieren dürfen (Information aus NZZ). Das sind weniger als 3 Promille (!) aller Schulkinder des ganzen Kantons. Dass Familien gerade aus Bildungsüberlegungen einen anderen Kanton auswählen, sollte inspirieren anstatt einfach den Kanton ZH nachzuahmen.

Wir rufen dabei in Erinnerung, dass in den USA Eltern geehrt werden, welche BzH praktizieren, weil sie die öffentliche Hand entlasten. In Kanada unterstützt der Staat BzH sogar finanziell (bis $1000 pro Kind pro Jahr). In Australien gibt es Staaten, in denen die öffentlichen Schulen 1 Tag pro Woche die Türen für Homeschooler öffnen.

Es sollten innovative Lösungen für dieses Thema gesucht werden. Innovative Lösungen sind unserer Ansicht nach solche, die u.a. Eltern zu Transparenz und zu fundierter Reflektion herausfordern und solche, welche den Behörden helfen, über den Tellerrand des Schulsystems hinaus zu schauen.

Was denken nun die Unschooler oder Freilerner über unsere Ansichten? Wie denken Homeschooler darüber? Wie denken die Behörden darüber? Wie denken Eltern darüber, welche die Kinder in die Schule schicken? Wie denken Lehrer darüber?

Im Voraus danken wir für konstruktive Rückmeldungen.

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19. Juli 2009

Wir bewohnen ein Kinderhaus!

Wie wir schon in verschiedenen Blog-Artikeln hingewiesen haben, sympathisieren wir mit der deutschen Zeitschrift ‘Mit Kindern wachsen – Neue Perspektiven & Wege im Leben mit Kindern’. Wir haben diese Zeitschrift schon beinahe 10 Jahre abonniert.

In der Ausgabe vom April 2009 wurde unter dem Titel ‘Wir bewohnen ein Kinderhaus’ erstmals ein Gespräch zwischen Marie Martin und uns abgedruckt, welches wir hiermit unserer Leserschaft zugänglich machen wollen.

Artikel zum download

Wir sind jederzeit für Rückmeldungen dankbar.

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12. Juli 2009

Pro-Lernen zwitschert jetzt auch auf Twitter

Neben unserem Pro-Lernen Blog, auf dem wir detaillierte Erfahrungsberichte verfassen, sind wir nun auch auf Twitter erreichbar. Auf Twitter zwitschern wir in Kurzform Neuigkeiten, Kleinigkeiten, Fertigkeiten, Heiterkeiten, Eigenheiten, Besonderheiten oder Feinheiten aus unserem Alltag.

Unsere Veröffentlichungen auf Twitter kann man auch als Feed abonnieren. Wir sind gespannt, was aus dieser Art Kommunikation mit uns geschieht.

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5. Februar 2009

Informelles Lernen

Unter dem Titel “Das meiste lernen wir nicht in der Schule” wurde im Zürcher Tagesanzeiger vom 4.2.2009 unter der Rubrik Leben ein interessanter Artikel über Informelles Lernen veröffentlicht, welchen wir unserer Leserschaft gerne weiter reichen wollen.

Man kann sich dem, was Erziehungswissenschaftler seit geraumer Zeit wissen, einfach nicht mehr entziehen. Wenn man sich im Vorfeld bereits vertieft mit dieser Materie befasst hat, dann kann dieser Artikel vielleicht etwas enttäuschen. Aber es ist schon ein riesiger Fortschritt, dass der Tagesanzeiger solche Themen überhaupt aufnimmt. Und es ist der Kreativität des Lesers überlassen, was die Erkenntnisse über Informelles Lernen für unsere Gesellschaft und deren Institutionen bedeuten könnten.

Yes, we can!

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