Pro-Lernen

In der Folge stellen wir unser Projekt 'Pro-Lernen' vor, in welchem wir einem interessierten Kreis von Eltern und anderen lernenden Menschen darstellen wollen, wie wir Bildung Zuhause mit unseren Kindern angehen, was unsere Vision und unsere Ziele sind, was wir unter Lernen verstehen, was unsere Ansätze dazu sind und was unsere aktuellen Projekte sind.

10. Januar 2010

Literaturliste aktualisiert

Auf unserer Webseite haben wir unsere Literaturliste mit gelesenen Büchern nachgeführt, welche uns im Jahr 2009 berührt und bewegt haben. Neben vielen anderen Büchern haben uns wie immer vor allem diejenigen angesprochen, welche mit Lernen, Einfühlung, Philosophie und Spiritualität zu tun haben:

  • amo ergo sum von Christina Kessler
  • Das Freilerner-Buch von Jan Hunt (Hrsg.)
  • Die integrale Schule des Mensch von Ralf Girg
  • YogaKids von Marscha Wenig
  • Ganzheitliche Entspannungstechniken für Kinder von Ursula Salbert

Wir können diese Bücher wärmstens empfehlen. Unsere aktuelle Literaturliste kann ab sofort heruntergeladen werden.

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23. November 2009

Schulfrei – lernen ohne Schule Zeitpunkt 104, November/Dezember 2009

Das Magazin Zeitpunkt widmet sich in ihrem Schwerpunkt dem Thema ‘Schulfrei – lernen ohne Schule’. In eindrücklichen Artikeln wird über die verschiedensten Perspektiven des Lernens reflektiert. Einzelne Artikel sind sogar als Link verfügbar.

  • Editorial: Wo wir Untertan werden
  • Produktionsfaktor Kind – in den Schulen werden Kinder als Konsumenten und Arbeitnehmer zurechtgebogen - Roland Rottenfußer
  • Die psychopathische Schule - John Taylor Gatto
  • Die Schule als «Fitnesscenter für die Arbeitsesel des Neoliberalismus»
  • Der gute Schüler - Jens Bjørneboe
  • Lernen, was man wirklich will – wie aus einem Buben, der den ganzen Tag «nur angelte», ein glücklicher junger Mann wurde - Daniel Greenberg
  • Die schiefen Leistungskriterien von PISA - Jens Wernicke
  • Eine Idee macht Schule - Doris Ammann
  • Ich war nie in der Schule ... und bin trotzdem ein gebildeter Mensch - André Stern
  • Lernen ohne Schule und Lehrer – ist Homeschooling eine Alternative? - Monika Beer
  • Mein grösster Lernerfolg  und andere Kurznachrichten
  • Das AntWort - Anton Brüschweiler (Dieser Text erschien erstmals in der Zeitschrift «Schulpraxis» des bernischen Lehrerinnen- und Lehrer-Verbandes LEBE. Die Redaktion gab dem Autor in nicht ganz einwandfreiem aber eindeutigem Deutsch folgende Rückmeldung: “Die Kolumne ist bei vielen LeserInnen seeeehr gut angekommen. Der Stil gefällt.” Uns gefällt er auch.)

Die Artikel sind teilweise sehr kritisch, was gewisse Leser vielleicht aufwühlen könnte. Aber es lohnt sich sicher, ab und zu die Perspektiven zu wechseln. Nur durch Perspektivenwechsel können wir unser begrenztes individuelles Spektrum erweitern.

Beim Lesen dieses Magazins wird uns einmal mehr bewusst, dass wir wirklich nicht die Einzigen sind, die sich mit Schule, Lehrer, Kinder, Lernen, Bildung, Lernumgebungen, Unschooling, Sozialisation, Authentizität, Liebe und vielem Mehr auseinandersetzen. Das gibt uns selber immer wieder neuen Mut.

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22. November 2009

Schule 2030: Ist Homeschooling die Zukunft?

In einem interessanten Artikel schreibt Gérard Bökenkamp über die Schule 2030. Er wagt dabei eine sehr kühne These:

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Homeschooling in der Mitte des kommenden Jahrhunderts nicht die Ausnahme sein wird, sondern breite Verbreitung findet und Elemente des Homeschoolings auch in den Schulbetrieb integriert werden. Den entscheidenden Grund dafür sehe ich in der technischen Entwicklung, besonders im Bereich der neuen Medien.

Lesen Sie hier…

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8. September 2009

Plädoyer für Bildung zu Hause ohne Lehrerpatent

Obwohl die Meinung der öffentlichen Hand bereits gemacht ist, möchten wir dieses Thema aufgreifen und die Sicht aus einer Familie kund tun, die Bildung zu Hause praktiziert und die sowohl ein Lehrerdiplom als auch ein Ergänzungsstudium in Neuer Lernkultur besitzt.

Um vorab unsere grundsätzliche Ansicht klar zu stellen:

Wir sind gegen ein zwingendes Lehrerpatent in der Familie, sondern für nachgewiesene Bildung der Eltern!

In verschiedenen Kantonen der Schweiz wird “Bildung zu Hause (BzH), häuslicher Unterricht, Homeschooling, Unschooling, Freilerner” oder welche Begriffe auch immer man diesem Thema alles zuweist, von öffentlicher Seite her immer mehr thematisiert (wir nennen es nachfolgend BzH). Dabei möchten die Behörden die Auflagen für BzH immer mehr verschärfen. Dabei war der Kanton ZH Vorreiter, indem er in einer neuen Gesetzgebung BzH zwar nicht verboten hat, aber die zu erfüllenden Auflagen insofern verschärft hat, indem er ein Lehrerpatent in der Familie als Voraussetzung für BzH einfordert. Andere Kantone wollen dem Beispiel des Kantons ZH nachziehen, ohne darüber richtig zu reflektieren. Es kommt bei uns jedenfalls so an.

Was macht denn ein Lehrerpatent überhaupt aus?

  1. Ein Lehrer, eine Lehrerin soll sich durch eine gewisse Allgemeinbildung auszeichnen (Betonung auf soll).
  2. Es zeichnet einen Lehrer aus, dass er vorgegebene Lehrinhalte in strukturierter Form einer Gruppe von ca. 15 – 25 unmündigen Menschen im Alter zwischen 6 – 16 vermitteln und überprüfen kann.
  3. Daneben hat ein Lehrer ein Musikinstrument gelernt und allenfalls Sport praktiziert.
  4. Ein Lehrerpatent positioniert sich als akademische Ausbildung.

zu Punkt 1
Dies bringen andere Ausbildungen und andere Lebenspläne ebenfalls mit, vielleicht sogar mehr und umfassender als ein junger Lehrer, der gerade aus der Schule kommt. Es ist in einer pluralistischen Welt längst nicht das Lehrerpatent alleine, das von Allgemeinbildung zeugt.

zu Punkt 2
In einer Familie, in der BzH praktiziert wird, ist eine Qualität, die wie oben beschrieben wird, gar nicht von Belang. Im Gegenteil: sie könnte in der Familien-Praxis gar kontra-produktiv oder hinderlich sein. In einer Familie wird vor allem die 1:1 Beziehung praktiziert, welche ganz andere Qualitäten fordert, wie z.B. Mitgefühl zeigen und liebevolle Beziehung leben. Wir unsererseits praktizieren zusätzlich das Prinzip der vorbereiteten Umgebung, in welcher das Lernen aus intrinsischer Motivation heraus geschehen soll. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass viele Lehrer dieses Prinzip nicht einmal vom Ansatz her kennen.

Die Überprüfung und Reflektion ist für viele in der BzH-Welt ein schwieriges Problem. Dies hängt wiederum von vielen Faktoren ab. Die einen verstecken sich vor Transparenz (Problem des Weltbildes). Den anderen fehlt überhaupt die Fähigkeit zur Reflektion (mangelnde Bildung). Hier verstehen wir die Anliegen und die Schwierigkeiten in der Umsetzung der öffentlichen Hand, resp. der Behörden mit BzH-Familien. Hier sollte von BzH-Eltern auch etwas verlangt werden können.

Von Eltern mit einem Lehrerpatent erwartet man automatisch, dass diese vermitteln und reflektieren können. Können dies wirklich nur Eltern mit einem Lehrerpatent? Zelebriert sich hier das Schulsystem nicht selber?

zu Punkt 3
Dies bringen ebenfalls sehr viele erwachsene Menschen selbstverständlich mit, ist aber unerheblich für die Praxis von BzH.

zu Punkt 4
Es ist wirklich tiefer zu überprüfen, welchen Wert eine akademische oder nicht-akademische Ausbildung im Zusammenhang mit BzH hat. Nach unserer Meinung ist ein Lehrerpatent nur eine von unzähligen Möglichkeiten, die Voraussetzungen für BzH zu erfüllen. Wir würden uns in einer pluralistischen Welt von der Behörde mehr Offenheit für unterschiedliche Lebensentwürfe wünschen.

Es ist nach unserer Meinung kein Lehrerpatent für BzH notwendig, wohl aber Bildung der praktizierenden Eltern.

Die Bildung der Eltern könnte sehr wohl in einem profunden Gespräch mit den Behörden, vielleicht sogar mit dokumentierten Lebensläufen nachgewiesen werden. Aus einer deutschen Statistik wissen wir, dass 80-85% von Akademikern und Beamten studieren. Bei Arbeiterkindern sind es nur noch 12%. Dass heisst, dass sich Akademiker selbst rekrutieren und die Chance eines Studiums für Kinder aus gebildeten Schichten zwanzigmal wahrscheinlicher ist als die für Arbeiterkinder. Wir sind Welten von Chancengleichheit entfernt und es wird ständig schlimmer. Also für Akademiker, egal welcher Herkunft, müssen sich Behörden im Bezug auf BzH keine Sorgen machen.

Wo beginnt nun Bildung und wo hört sie auf? Dies müsste man vertiefter heraus arbeiten. In einer abgeschlossenen Berufslehre mit Weiterentwicklung ist implizit auch schon immense Bildung enthalten. Auch in alternativen Lebensentwürfen ohne staatliches Diplom kann viel Bildung enthalten sein. Herzensbildung ist ebenfalls eine unermessliche Bildung. Dies müsste man von Fall zu Fall anschauen. Es wäre aber Sache der Behörde, diese Bildung zu hinterfragen und einzuschätzen. So hätten die Behörden in der Vorevaluation der Eltern auch eine mitverantwortliche Rolle für die Bildung von BzH-Kindern. Wie es dann in der Familie mit der Bildung der Kinder herauskommt, ist jedoch immer ungewiss. Dafür übernimmt die Behörde oder die Lehrerschaft auch in der Schule keine Verantwortung. Auch die Qualität der regelmässigen Reflektion über die BzH-Kinder zeigt den Behörden den Bildungsstand der Eltern auf. Auch hier könnten die Behörden Einhalt gewähren, falls die Qualität der Reflektion zu Wünschen übrig lässt. Dies ist halt wieder eine Sache der Transparenz und der Bildung.

Es ist auch unsere Meinung, dass Kindern immer eine minimale Chance zu einer guten Bildung gewährt werden muss. Wenn es in der Familie nicht funktioniert, dann vielleicht in der Schule. Die Umkehrung dieser Aussage müsste ebenfalls gelten.

Auch sollte nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen werden. Im Kanton AR sind z.B. von 7000 Schulkindern ca. 20 Kinder, welche BzH praktizieren dürfen (Information aus NZZ). Das sind weniger als 3 Promille (!) aller Schulkinder des ganzen Kantons. Dass Familien gerade aus Bildungsüberlegungen einen anderen Kanton auswählen, sollte inspirieren anstatt einfach den Kanton ZH nachzuahmen.

Wir rufen dabei in Erinnerung, dass in den USA Eltern geehrt werden, welche BzH praktizieren, weil sie die öffentliche Hand entlasten. In Kanada unterstützt der Staat BzH sogar finanziell (bis $1000 pro Kind pro Jahr). In Australien gibt es Staaten, in denen die öffentlichen Schulen 1 Tag pro Woche die Türen für Homeschooler öffnen.

Es sollten innovative Lösungen für dieses Thema gesucht werden. Innovative Lösungen sind unserer Ansicht nach solche, die u.a. Eltern zu Transparenz und zu fundierter Reflektion herausfordern und solche, welche den Behörden helfen, über den Tellerrand des Schulsystems hinaus zu schauen.

Was denken nun die Unschooler oder Freilerner über unsere Ansichten? Wie denken Homeschooler darüber? Wie denken die Behörden darüber? Wie denken Eltern darüber, welche die Kinder in die Schule schicken? Wie denken Lehrer darüber?

Im Voraus danken wir für konstruktive Rückmeldungen.

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17. August 2009

Malstation à la Arno Stern

Vor über zwei Jahren haben wir unsere Malstation à la Arno Stern eingeweiht. Darüber haben wir hier berichtet. Mittlerweile wurden schon sehr viele Bilder damit gemalt und die Kinder sind nach wie vor fasziniert von den Möglichkeiten und der Art, sich ausdrücken zu dürfen. Auch Nalin, welcher vor zwei Jahren noch nicht verstand, dass er den Pinsel nicht von Farbtopf zu Farbtopf tunken durfte, da dadurch die Farben vermischt werden, malt nun mit viel Hingabe und Freude seine kleinen Kunstwerke. Wie ich schon in diesem Blog berichtet habe, nimmt die ‘dienende Haltung’ eine wichtige Rolle ein. Der Forscher und Pädagoge Arno Stern formuliert das so:

“Die dienende Einstellung unterscheidet sich grundsätzlich von einer belehrenden Beziehung zum Kind: Der Dienende im Malort vermittelt kein Wissen. Aber die gründliche Kenntnis des Formulationsablaufes bestimmt seine Haltung: Das Wissen um das Allgemeingültige schützt vor der Versuchung einer Anteilnahme am Persönlichen, vor der Lust, die entstehende Spur zu beurteilen oder gar zu deuten. Es ist zur Ausübung dieses Berufes unentbehrlich; nicht aber eine eigene Erfahrung im Umgang mit Pinsel und Farbe. Hier entsteht ja nicht ein Verhältnis wie zwischen dem vorbildlichen Meister und dem unerfahrenen Lehrling. Dienen heißt, in jedem Moment sich in die Lage aller versetzen, die hier spielen; dafür sorgen, dass sie durch nichts vom Wesentlichen abgelenkt werden; ihnen jede unnötige Mühe ersparen; sie vor jeder materiellen Besorgnis entlasten. Und auch wer nur von der Formulation erfährt, kann nicht mehr, wie so viele es tun, Kinderzeichnungen verbessern, beurteilen, kommentieren, deuten, wie Werke aufnehmen oder gar ausstellen, sondern wird sie als das anerkennen, was allein sie auszeichnet: als ein vom Kind erlebtes Spiel, das keinen Fremden einbezieht. Dieses Dienen ist - zum Unterschied von so vielen Beschäftigungen in unserer Gesellschaft - eine beglückende Tätigkeit, die nie zur Routine erschlafft."

Schön, nicht wahr? Weiter schreibt er:

"Eines Tages ist mir aufgefallen, dass im Malort nicht Ähnliches wie zu Hause, wie in der Schule oder in der Psychologenpraxis entsteht. Anfangs glaubte ich, es läge an der aussergewöhnlichen Qualität der Werkzeuge, die ich den Kindern gab, während sie sonst wo mühsam ein bisschen verwässerte Farbe dem Malkasten abzugewinnen versuchten. Aber daran lag es nicht in erster Linie, sondern an der grundlegend verschiedenen Einstellung zum Malenden. Deshalb entstand hier eine nie zuvor geschehene Äußerung. Wer zu dieser Äußerung kommt, sich von allen Vorbildern und Vorstellungen befreit, hemmungslos die natürliche Spur entstehen lässt, kehrt zu seinem wahren Wesen zurück. Das Formulationsspiel im Malort ist keine Therapie sondern eben Therapie-vorbeugend, weil es Fähigkeiten fördert, die zur Entfaltung und Stärkung der Persönlichkeit führen.”Bild an der Malstation

Und genau in diesem Sinne haben wir die Malstation errichtet. Denn die Philosophie von Arno Stern passt genau zur Philosophie von unserem Bildungsprojekt ‘Pro-Lernen’ und ist bei uns nicht nur auf die Malstation bezogen. Faszinierend dabei ist, dass sein Sohn und seine Tochter nie zur Schule gegangen sind, sich nach dem Prinzip des selbstbestimmten Lernens zu Hause bildeten und heute beide ein selbständiges und erfolgreiches Leben führen. Mit einer Geisteshaltung wie der von Arno Stern kann man gar nicht anders als Unschooling praktizieren!

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12. Juli 2009

Buchrezension "Das Freilerner-Buch" von Jan Hunt

Kleine Kinder lieben die Welt.
Deswegen sind sie so gut darin,
etwas über sie zu lernen.
Denn Liebe,
nicht Tricks und Mentaltechniken,
ist im Herzen eines jeden wahren Lernens.
Können wir uns selbst dazu bringen,
Kinder durch diese Liebe lernen
und wachsen zu lassen?

(John Holt)

In diesem Geist sind die Beiträge von verschiedenen Autoren (Mary van Doren, Nanda van Gestel, John Holt, Kim Houssenloge, Jan Hunt, Dayna Martin, Daniel Quinn, Earl Stevens) im Freilerner-Buch verfasst. Das Buch ist eine Übersetzung aus dem Amerikanischen mit dem Originaltitel “The Unschooling Unmanual” aus dem Jahr 2008.

Die verschiedenen Beiträge haben eines gemeinsam: es sind tiefgründige und liebevolle Betrachtungen zum Leben ohne Schule – keine wissenschaftliche, politische oder gar kämpferische Ausführungen. Das Buch betont immer wieder, dass Freilernen keine Methode ist. Es ist eine Art die Kinder und das Leben zu betrachten. Freilernen ist keine Technik; Freilernen bedeutet, natürlich, liebevoll und respektvoll zusammen zu leben und zu lernen. Es basiert auf dem Vertrauen, dass Kinder und Eltern die Wege finden werden, die für sie am besten funktionieren. Das Buch vermittelt Vertrauen in das Leben und das Lernen, wie es in den Kindern von Natur aus angelegt ist.

Deshalb können wir das Buch wärmstens empfehlen.

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14. Juni 2009

Die Philosophie der Freiheit

Nachdem wir eine Weile auf Reisen waren und uns deshalb eine kleine Blog-Abstinenz auferlegten, melden wir uns mit folgendem Beitrag und viel Enthusiasmus wieder zurück.

DIE PHILOSOPHIE DER FREIHEIT

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8. März 2009

Jeder Mensch ist dazu bestimmt, zu leuchten !

Unsere tiefgreifende Angst ist es nicht, dass wir ungenügend sind.
Unsere tiefgreifende Angst ist, über das Messbare hinaus kraftvoll zu sein. Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, die uns am meisten Angst macht.

Wir fragen uns, wer bin ich, mich brilliant, großartig, talentiert oder phantastisch zu nennen? Aber wer bist Du, Dich nicht so zu nennen?

Du bist ein Kind des Lichtes.

Sich selbst klein zu halten dient nicht der Welt.
Es ist nichts Erleuchtetes daran, sich so klein zu machen,
dass andere um Dich herum sich unsicher fühlen.
Wir sind alle dazu bestimmt zu leuchten, wie es die Kinder tun.
Wir sind geboren worden, um den Glanz des Lichtes,
welches in uns ist, zu manifestieren.

Es ist nicht nur in einigen von uns, es ist in jedem einzelnen.
Und wenn wir unser eigenes Licht erscheinen lassen,
geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis dasselbe zu tun.

Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind, befreit unsere Gegenwart andere.

Nelson Mandela
ehem. Staatspräsident Südafrika, Antrittsrede 1994

Der von Mandela verwendete Text ist ein Ausschnitt des Buches
(Rückkehr zur Liebe, oder in Englisch Return to Love) von Marianne Williamson.

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Anmerkung:

Das Leuchten eines Nelson Mandela’s oder auch eines Mahatma Gandhi’s hat die jeweilige Macht nicht ausgehalten. Man hat sie einfach verurteilt und ins Gefängnis gesteckt, anstatt dass man ihnen von Anfang an genau zugehört und sie gespürt hätte.

Diejenigen Menschen, die einen inneren, natürlichen Zugang zu Nelson Mandela’s Aussagen haben, verstehen auch ganz automatisch die unzähligen Initiativen alternativer Bildung. Es sind nämlich Antworten und Initiativen gegen eine Gesellschaft von Beurteilungen, Herrschaft und Gewalt.

Die richtige Bildung der Kinder und das Nicht-Zerstören dessen, was die Kinder bereits leuchten lässt, sind in der Tat zwei der momentan grössten Herausforderungen unserer Gesellschaft. Und die Nach-Entfaltung der Erwachsenen ‘durch’ unsere Kinder wäre eine 2. Chance, den leuchtenden Zustand wieder herzustellen.

Aber wer will dies schon? Die Mehrheit will lieber in die alte Rigidität zurück und die Bildung und Börsen so laufen lassen wie anno dazumal.

Unsere Hoffnung stirbt zuletzt. Es gibt nämlich immer wieder Wunder - Return to Love.

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8. Februar 2009

Elterninspiration: Kinder nähren

Dass wir uns für diese Elterninspiration einmal mehr ein grosses Thema ausgewählt haben, bemerkte ich während meiner Vorbereitung. Eigentlich ist das Thema viel zu mächtig, um nur an einem einzigen Morgen darüber zu philosophieren und auch viel zu umfangreich, um es nur in einem kleinen Blog zu würdigen! Vor unserem Büchergestell zu Hause konnte ich mich kaum entscheiden, welche Bücher ich zum Thema ‘Kinder nähren’ mitbringen mochte. Es war unmöglich, alle in Frage kommenden Bücher mitzunehmen! Wohlverstanden, es ging uns nicht um die physische Nahrung, welche allein für sich natürlich auch ein wichtiges Thema ist! Vielmehr wollten wir uns dieses Mal miteinander austauschen, welche essentielle Nahrung unsere Kinder sonst noch brauchen.

Eigentlich wäre es ja ganz einfach: Kinder brauchen Liebe und Respekt. Und das schon als neugeborener Säugling, oder besser noch früher! Für einige von uns waren die Lektüren von Emmi Pikler, Anna Tardos oder Magda Gerber von grosser Bedeutung. Dabei geht es um die nährende, respektvolle und liebevolle Pflege, bei welcher das Baby, das Kleinkind und später auch das ältere Kind für eine gewisse Zeit die ununterbrochene Aufmerksamkeit der betreuenden Person erhält. Die ununterbrochene Aufmerksamkeit ist für ein Kind enorm wichtig. Naomi Aldort beschreibt das in ihrem Buch ‘Von der Erziehung zur Einfühlung’ so: “Ein Kind erlebt seinen eigenen Wert dadurch, dass es unsere Zeit und Aufmerksamkeit wert ist.” Nähren wir unsere Kinder, indem wir sie z.B. mit vollster Aufmerksamkeit pflegen oder indem wir ihnen täglich eine Zeit lang ganz bewusst bei ihrem Tun zuschauen, dann fühlen sie sich wertgeschätzt, wahrgenommen und geliebt! Wenn sich ein Kind in der Liebe seiner Eltern vollkommen geborgen fühlt, braucht es sich nicht auf destruktive Weise auszudrücken.

Wir stellten in unserer Reflektion fest, dass wir unseren Kindern ebenfalls immer wieder unbewusst signalisieren: “Du bist nicht so wichtig wie etwas anderes (Anruf, Besuch, usw.), du stehst in meiner Prioritätenliste weit unten.” Natürlich wollen wir alle keine solchen Signale senden. Doch die Herausforderung ist, das überhaupt zu merken. Die meisten Menschen reflektieren ihr Verhalten nicht und leben ihr anerzogenes Muster. Das Muster kann z.B. sein, dass wir etwas so machen, weil es eben alle so machen! Sind wir ganz achtsam im Umgang mit unseren Kindern, so können wir jedoch solche Fallen erkennen! Um nur ein einfaches Beispiel zu nennen: Es ist ratsam, das Telefon weiterklingeln lassen, wenn wir mitten in der Pflege mit einem Kind sind oder am Geschichten erzählen sind. Im Zeitalter des Telefonbeantworters sollte das ja kein Problem sein! Auf diese Art signalisieren wir wortlos, dass das Kind uns im Moment am wichtigsten ist und das ist Balsam für seine Seele! Damit ist aber nicht gemeint, dass wir den ganzen Tag immer nur neben dem Kind zu sitzen haben. Abgesehen davon, dass das ebenfalls sehr spannend sein kann! Es ist nämlich im Gegenzug auch sehr heilend, wenn wir den Kindern die Möglichkeit bieten, sich selbst zu nähren in ihrem selbstbestimmten Tun! Oder mit anderen Worten: Wir ermöglichen dem Kind, sich selbst zu spüren und mit sich selbst etwas anzufangen (an dieser Fähigkeit mangelt es selbst vielen Erwachsenen!). Dafür gilt es aber eine wichtige Voraussetzung zu erfüllen: Es braucht das, was die meisten Menschen nicht haben, Z E I T. So sind die meisten Mütter von uns bemüht, so gut wie möglich Alltagsstress zu vermeiden.

Eine weitere Frage beschäftigte uns: Wie kann eine Mutter (oder Vater) ihr Kind nähren, wenn sie selber nicht genügend mit Liebe und Respekt genährt ist oder unbefriedigende Bedürfnisse aus der Kindheit hat? Dieser Thematik hatte sich auch der Pädagoge Heinrich Jacoby intensiv gewidmet. Er war überzeugt, dass auf dem Weg zum kompetenten Erzieher eine persönliche Entwicklung vonnöten sei, eine bewusste, prozesshafte Nachentfaltung. Mehr darüber kann man im Buch ‘Entfaltung statt Erziehung, die Pädagogik Heinrich Jacobys’ von Walter Biedermann nachlesen. Allerdings waren wir uns auch einig, dass die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund treten können, sofern wir es schaffen, voll und ganz in die Welt der Kinder einzutauchen und mit der Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt zu sein!

Wie immer nach den Elterninspirationen philosophierten mein Mann und ich später noch weiter. Wir kommen darauf, dass eigentlich ALLES Nahrung ist. Wir als Eltern sind Nahrung, einzig und allein mit unserem Dasein, unsere Art und Weise ist Nahrung, die Geschwister sind Nahrung, die Umgebung ist Nahrung. Lachen und Gesang ist Nahrung für unser Herz, Körperkontakt stillt unseren Hunger nach Berührung, ein Sonnenuntergang am Meer stillt unseren Hunger nach Stille oder Schönheit. Jeder Mensch ist auch für sich selbst nährend, im Sinne eines autopoietischen Systems, das alles was und wie es etwas ausdrückt oder produziert (tun, denken, fühlen, usw), immer in einer Art und Weise rekursiv auf sich selbst zurück wirkt.

Nur schon, wenn man in das Feld dieses Themas eintaucht, eröffnet sich eine riesige Dimension. Man könnte auch sagen, dass dieses Thema ein Lebensthema ist!

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4. Januar 2009

Grenzen mit Kindern

Aus dem Bedürfnis uns noch intensiver über unseren Alltag mit den Kindern auszutauschen und miteinander zu wachsen, ist im vergangenen Herbst die *Eltern-Inspiration* entstanden. Wir, vier Unschooling-Mütter aus der Ostschweiz, treffen uns nebst den wöchentlichen Pro-Lernen-Treffs regelmässig ohne Kinder für einige Stunden und reflektieren dabei über die verschiedensten Themen im Zusammenhang mit unseren Kindern. Gegenseitig haben wir uns auch autorisiert, dass wir uns ehrliche Rückmeldungen geben dürfen. Obwohl wir uns jeweils einen ganzen Morgen treffen, verfliegen die Stunden im Nu und die Gespräche sind immer sehr profund, lebendig und bereichernd.

Unser momentanes Schwerpunkt-Thema heisst: Grenzen mit Kindern! Wir Unschooler werden oft mit antiautoritärer Erziehung in den gleichen Topf geworfen. Meistens wird angenommen, dass unsere Kinder ALLES dürfen, da sie ja nicht zur Schule müssen und selber entscheiden dürfen, was sie gerade tun und lernen wollen. Da wir aber unsere Kinder weder antiautoritär erziehen noch überhaupt erziehen wollen, führt das bei Vielen zu Verwirrungen.

Einige unserer LieblingsautorenInnen wie Naomi Aldort, John Holt, Marshall Rosenberg, Jesper Juul, Rebeca Wild und Andere bilden die Basis für unseren Austausch. Es geht vor allem ums wo setze ich Grenzen, wie setze ich Grenzen und wie helfe ich dem Kind dabei, die Grenze einzuhalten. Darüber könnte man jetzt natürlich ein ganzes Buch schreiben, doch ich werde versuchen, unser profundes Gespräch auf einige Kernsätze zusammenzufassen:

Beim wo setze ich Grenzen kamen wir schnell zum Schluss, dass wir so die Grenzen setzen, dass für alle Beteiligten eine entspannte Umgebung gewährleistet ist. Eine entspannte Umgebung bedeutet, dass sich ein Mensch, egal welchen Alters, körperlich und emotional sicher und wohl fühlt.

Natürlich gibt es viele Arten, wie man Grenzen setzen kann. Für uns ist immer wieder spannend, wie unterschiedlich berühmte Autoren das Thema Grenzen angehen. Während Wild’s z.B. gerne die Grenzen so knapp wie möglich erklären, setzt Jesper Juul die Grenzen bei sich selber statt beim Kind, indem er sagt: ICH will das nicht. Wie es Marshall Rosenberg angeht, ist im Beispiel unten beschrieben. Bei Naomi Aldort ist alles nochmals anders. Mit ihrer wunderschönen Formel S.A.L.V.E (S für stummes Selbstgespräch, A für Aufmerksamkeit, L für Lauschen, V für Verständnis und E für Ermutigen) schafft sie einen einfühlsvollen Zugang zum Kind.

Damit sich ein Kind auch an Grenzen halten kann, ist es wichtig, ihm dabei zu helfen. Es gibt materielle Hilfen wie z.B. Kisten und Gestelle, welche das Ordnung halten erleichtern. Andere Arten von Hilfen können sein: mit dem Kind vorausplanen, Zeit geben, das Kind physisch begleiten, und ganz wichtig auch, dass wir als Grenzsetzer zur Grenze stehen, vorausgesetzt dass die Grenze Sinn macht. Dies sollte man sich allerdings vorher schon gut überlegen! Ein Kind kann sich nämlich ziemlich allein, verlassen und verunsichert fühlen, wenn wir plötzlich von der Grenze abweichen und nachgeben.

An einem Beispiel aus unserer Entdeckungsreise zum Thema Grenzen mit Kindern, welche wir zusammen an der letzten Eltern-Inspiration gemacht haben, möchte ich kurz erläutern, wie man ohne Stress ein Kind an eine Grenze erinnern kann. Einstimmig sind wir nämlich der Meinung, dass auch das Aufräumen und Ordnung halten für uns wichtig sind. Das klingt auf den ersten Blick vielleicht gar nicht nach “entspannter Umgebung”. Interessanterweise machen wir aber alle die gleiche Erfahrung: Wenn nicht aufgeräumt ist, wird uns und den Kindern immer unwohler. Schon unzählige Male durften wir beobachten, wie unsere Kinder ein Zimmer oder eine Ecke tagelang mieden, bis die Unordnung dort wieder aufgeräumt wurde. Scheinbar sind wir Erwachsenen nicht die Einzigen, die so empfinden. Denn alle alternativen Schulen, welche nach dem Prinzip des selbstbestimmten Lernens funktionieren und welche wir besuchten, haben ausnahmslos die Regel des Aufräumens und der Ordnung. Wir machen aber auch die Erfahrung, dass das nicht die liebste Beschäftigung der Kinder ist und deshalb bieten wir den Kindern wertvolle Hilfe an. Anstatt: “Geh bitte das Zimmer aufräumen”, haben wir festgestellt, dass ein Kind ohne Murren kooperiert, wenn es vorbereitet wird und Zeit hat, sich darauf einzustellen und von uns bei Bedarf Begleitung bekommt. So könnte man es nach dem Prinzip der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg z.B. auf diese Weise angehen: “Ich habe gesehen, dass in Deinem Zimmer eine Riesen-Unordnung ist (Beobachtung) und es ärgert mich (Gefühl), wenn Du über alle diese Sachen läufst, denn ich möchte, dass sie unbeschädigt bleiben (Wunsch). Bist Du einverstanden, wenn wir morgen nach dem Frühstück miteinander dort aufräumen (Bitte)?” Das kommt bei Kindern mit grosser Wahrscheinlichkeit gut an. Mit dieser Art Kommunikation findet respektvoller Umgang in Kooperation statt und somit werden auch gegenseitige Grenzen respektiert.

Mein Mann und ich spekulierten am Abend noch weiter, dass die Art und Weise von Grenzen setzen vielleicht weit unbedeutender sein könnte, als derjenige selber, der die Grenzen setzt (wer). Authentische Kommunikation mit Spirit, den wir den oben erwähnten Buchautoren allen zugestehen, kommt nämlich bei jedem Menschen an.

Es ist uns klar, dass es kein Rezept mit nur richtigen Anleitungen gibt. Auffällig ist jedoch, wie die Gruppe der Eltern-Inspiration wirklich sehr viele gleiche Ansätze verfolgt, und gerade das macht das Zusammen-SEIN so befruchtend.

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2. Januar 2009

Literaturliste aktualisiert

Auf unserer Webseite haben wir unsere Literaturliste mit Büchern nachgeführt, welche uns im Jahr 2008 begleitet haben. Neben vielen anderen Büchern haben uns vor allem diejenigen bewegt, welche mit Einfühlung zu tun haben:

  • Gewaltfreie Kommunikation von Marshall B. Rosenberg

  • ALLES FÜHLT von Andreas Weber

  • BIG MIND von Dennis Genpo Merzel Roshi

  • Von der Erziehung zur Einfühlung von Naomi Aldort

Wir können diese Bücher wärmstens empfehlen und geben ihnen 5 Sterne. Unsere umfangreiche Literaturliste kann jederzeit heruntergeladen werden.

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2. November 2008

unerzogen mit Kindern wachsen

Während der Begriff unerzogen im Zusammenhang mit Kindern in einer althergebrachten Weltanschauung bereits eine ultimative Ablehnung auslöst, können wir mit dem zweiten Teil des Titels mit Kindern wachsen wieder die Anschlussfähigkeit zu dieser erwähnten Welt schaffen. Diese beiden Teile des Titels positiv zu verknüpfen ist auch die Absicht dieses Blogeintrages.

'unerzogen' und 'Mit Kindern wachsen' sind nämlich zwei Zeitschriften, mit denen wir sympathisieren und auf die wir hier aufmerksam machen wollen. Während 'unerzogen' eine neue Zeitschrift ist, welche erst Ende 2007 mit der Publikation gestartet hat, ist 'Mit Kindern wachsen' eine sehr etablierte Zeitschrift, welche wir schon seit bald 10 Jahren abonniert haben.

'Mit Kindern wachsen' begleitet Eltern in der Art und Weise, wie und mit welcher Geisteshaltung mit Kindern umgegangen werden soll. Nährende Säuglingspflege, Achtsamkeit im Umgang mit Kleinkindern und alternative Schulmodelle, wie Freie Schulen werden tiefgründig behandelt. Bildung zu Hause war anfangs überhaupt kein Thema. Momentan bemerken wir aber ein subtiles Einlenken bezüglich dieser Art des 'sich bildens', indem dieses Jahr Artikel in diese Richtung publiziert wurden.

'unerzogen' hat sich dagegen gegen die repressive Deutsche Schulpflicht und die politische Arbeit für eine generelle Bildungsfreiheit verschrieben. Sie kämpfen für die freie Wahl und das Recht, sich zu Hause zu bilden. 'unerzogen' verschreibt sich eher dem Unschooling als dem religiösen und fundamentalen Lager der klassischen Homeschooler.

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In der aktuellen Ausgabe (Oktober 08) von 'Mit Kindern wachsen' hat es einen interessanten Artikel mit dem Titel: Das Recht zum Experiment.

Dort führt Marie Martin ein Gespräch mit dem Gestalt-Theoretiker und -Theorielehrer, Trainer, Coach und Schriftsteller Dr. habil. Stefan Blankertz. Dabei möchte ich einfach ein paar philosophische Kernsätze aufführen, die in diesem Gespräch aufkamen und die Anlass zum Denken geben (uns jedenfalls):

"Je mehr wir die Unterprivilegierten, wie man damals sagte, zwingen und locken, zur Schule zu gehen, um so grösser wird die Ungleichheit und um so mehr Gewalt unter den Jugendlichen wird es geben." (Goodman, 1960)

"Auch der beste pädagogische Impuls, die beste didaktische Methode wird ins Gegenteil verkehrt, wenn nicht der Rahmen der Wahlfreiheit gegeben ist."

"Es ist vollkommen in Ordnung, dass die Mehrheit konservativ ist. Sie wartet ab, was bei den Experimenten herauskommt. Wichtig ist aber, dass die Minderheit das Recht zum Experiment erhält."

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In der aktuellen Ausgabe (3/08) von 'unerzogen' hat es einen interessanten Artikel mit dem Titel: Was ist Bildungsfreiheit?

Dort wird ein erster Auszug aus einem Gespräch mit dem freischaffenden Philosophen und Publizisten Bertrand Stern veröffentlicht. Auch hier führe ich nur ein paar philosophische Kernsätze auf, die uns zum Denken veranlasst haben:

"'Das Recht, sich frei zu bilden', verweist auf die Person und ihre Autonomie und würdigt sie als Subjekt, das sich frei bildet."

"Nichts scheint mir so tragisch wie die Annahme, wir müssten uns mit den tradierten Bedingungen abfinden."

(Persönliche Anmerkung: Die Finanzmarkt-Krise lässt grüssen! Es braucht scheinbar immer Krisen, resp. Katastrophen, um Mythen zu entlarven.)

"Die Verknüpfung von Bildung und Schule stellt eine unzulässige Kausalität dar, so verkehrt, wie die kausale Verkettung mit dem Donner und dem zornigen Gott."

Auf Seite 53 sind noch Rezensionen von interessanten Blogs aufgeführt, welche wir überrascht zur Kenntnis genommen haben ;-)).

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Für uns sind sowohl 'unerzogen' als auch 'Mit Kindern wachsen' sehr wertvolle Zeitschriften, da sie repräsentieren, dass wir mit unseren persönlichen Erkenntnissen nicht alleine auf der Welt sind und unzählige Menschen auf diesem Planeten unabhängig voneinander zu gleichen Schlussfolgerungen kommen.

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27. Juni 2008

Motivation für unseren Blog

Kürzlich führten wir mit jemandem über unseren Blog einen interessanten Dialog. Diese Person versuchte herauszufinden, was wir eigentlich mit unserem Blog bezwecken, was unsere Motivation sei, soviel Aufwand in einen Blog zu investieren. Dieses Gespräch gab uns Anlass, über unseren Blog, welcher mittlerweile von einer beachtlichen Anzahl Besuchern pro Monat aus der ganzen Welt gelesen wird, nochmals tiefer zu reflektieren.

Eigentlich ist es ganz einfach: Wir möchten so vielen Menschen wie möglich Vertrauen in die Welt des Natürlichen Lernens schenken, das der grossen Mehrheit noch unbekannt ist. Wir möchten zeigen, wie diese Art von Lernen funktionieren kann und auch DASS diese Art von Lernen funktioniert. Wir möchten darlegen, wie viel Freude die Kinder am Lernen haben und dokumentieren, was, wie und wo die Kinder lernen, ohne dass wir lehren oder einen Unterricht organisieren. Zudem möchten wir anhand unseres Beispiels demonstrieren, dass wir mit unseren Kindern kein isoliertes Leben führen, sondern immer wieder an interessanten Projekten arbeiten. Des Weiteren können wir mit unserem Blog mit anderen Leuten in Dialog treten und so unser Netzwerk sukzessive erweitern. Gegen die Schule kämpfen möchten wir nicht. Die Person, mit welcher wir diesen Dialog führen durften, meinte dann, dass wir in den Blogs immer wieder subtil einen Seitenhieb gegen die Schule senden würden. Dies soll ein guter Leitstern für uns werden, zukünftig in unserer Wortwahl noch sensibler zu sein. Wie wir mittlerweile wissen, lesen nicht nur Unschooler unseren Blog, und wir schreiben den Blog nicht, um bei Eltern, welche ihre Kinder zur Schule schicken, ein schlechtes Gefühl zu hinterlassen. Im Gegenteil: unser Blog soll Mut und Vertrauen fürs Natürliche Lernen schaffen, was wir auch oft via E-Mails bestätigt bekommen. Dies soll nicht verwechselt werden mit "Werbung machen". Aus Erfahrung mit vielen Eltern wissen wir, dass unser Weg nicht der Weg für jedermann/frau ist. Vielmehr sehen wir uns als Teil einer weltweiten Lern-Bewegung und möchten so unseren bescheidenen Beitrag dazu leisten. Dies haben wir bereits seit Anfang unserer Internet-Aufzeichnungen so formuliert. Auf unserer Webseite heisst es wörtlich:

Basierend auf der Grundhaltung, wie sie im Credo und im Hintergrund beschrieben ist, wollen wir mit Pro-Lernen eine Plattform für uns und für Gleichgesinnte zur Verfügung stellen, mit welcher wir unseren Beitrag zu den vielfältigen Initiativen für Neue Bildung und Neues Lernen leisten wollen.

Es ist aber nicht auszuschliessen, dass sich bei unseren Formulierungen hin und wieder einmal jemand betupft fühlen kann. Es ist jedoch nicht unsere Absicht jemanden zu überzeugen oder gar jemanden in seinen Gefühlen zu verletzen. Wenn wir eine Absicht für die Zukunft vertreten, dann vielleicht diese: sich selber gebildet zu haben und nicht gebildet worden zu sein. Mit dieser Aussage betupfen wir aber bereits wieder diejenigen, die das nicht genau so sehen.

So wünschen wir trotzdem allen Lesern und Leserinnen, allen Unschoolern und allen Schoolern, allen Freunden und Skeptikern viel Befruchtendes und Authentisches beim Lesen dieses Blogs.

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2. Mai 2008

Typische Fragen zu Unschooling

Bei Gesprächen und Diskussionen über die Art und Weise wie wir uns die Bildung unserer Kinder vorstellen, kommen immer wieder die gleichen Fragen entgegen. Es sind dabei so offensichtlich immer die gleichen Fragen, dass wir uns schon gefragt haben, wo man diese Fragen nur lernt. Es sind scheinbar individuelle und persönliche Fragen, sind sie aber nicht. Wir kommen in einem späteren Blog auf dieses Thema zurück.

In der Folge wollen wir die typischen Fragen einmal auflisten, die uns immer wieder begegnen.

Sozialisation

  • Brauchen die Kinder nicht andere Kinder zum Spielen?
  • Haben die Kinder auch Kontakt zu anderen Kindern?
  • Wie bekommen eure Kinder Freunde?
  • Wie lernen denn eure Kinder soziales Verhalten?

Schule, Maturität, Ausbildung

  • Warum schickt ihr eure Kinder nicht in eine Privatschule, wo ebenfalls informelles Lernen praktiziert wird? Ihr habt doch eine solche Schule in eurer Gemeinde, oder?
  • Sollte man den Kindern nicht die Freiheit gewähren, in die Schule gehen zu dürfen?
  • Bis zu welcher Klasse wollt ihr Bildung zu Hause praktizieren?
  • Wie schaffen eure Kinder den Übertritt in eine höhere Schule?
  • Wie können eure Kinder überhaupt eine Berufsausbildung machen?

Lernen, Wissen, Können

  • Liegen die Kinder nicht den ganzen Tag faul herum und tun nichts?
  • Wie lernen die Kinder denn Lesen und Schreiben?
  • Wie macht ihr das mit dem Lernen einer 2. und 3. Fremdsprache?
  • Wie lernen eure Kinder höhere Mathematik?

Realität

  • Müssen denn die Kinder nicht auf die Realität vorbereitet werden?
  • Tut es nicht gut, wenn die Kinder auch die harte Realität, welche sie im späteren Berufsleben einmal erfahren werden, bereits in der Schule kennen lernen? (meistens nicht in Frageform)

Generelle Bemerkungen

  • Ich bin halt gegen antiautoritäre Erziehung.
  • Ich bin selber sehr gerne in die Schule gegangen.
  • Unser Kind freut sich jetzt schon auf den Kindergarten und die Schule.
  • Wir werden ja sehen wie es herauskommt.

So kommen Fragen über Fragen. Oft sind es eben keine Fragen, sondern eher unreflektierte Antworten zur normativen Kraft des Gegebenen. In Folge-Blogs beantworten wir die Fragen, wie wir sie jeweils, teils humoristisch, teils fundiert oder oft auch auf ganz unkonventionelle Art beantworten.

Bis bald.

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31. Dezember 2007

Antwort auf eine Anfrage für "Bildung zu Hause"

Wir bekommen immer wieder aus der ganzen Welt Anfragen zum Thema Bildung zu Hause, welche wir ernsthaft zu beantworten versuchen. Dabei ist auffallend, wie die meisten Eltern, meistens Frauen, sich erst kurz vor der Einschulung mit der Bildung ihrer Kinder auseinander setzen. Da dieser Prozess für meine Frau und mich gemeinsam bereits vor der Geburt des ersten Kindes begonnen hat, fällt es uns jeweils nicht ganz einfach, uns in die jeweilige Situation hinein zu versetzen. Wir versuchen dabei keine Ratschläge zu erteilen und teilen auch mit, dass wir keine Erfahrungen zu einem entsprechenden Thema haben.

In der Folge berichten wir in einer Antwort über unsere Art, wie wir Bildung zu Hause angehen. Aufgrund der positiven Rückmeldung scheint der Brief gut angekommen zu sein.

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Herzlichen Dank für Ihre Kontaktaufnahme.

Es ist in der Tat ein spannendes Vorhaben in der Familie Bildung zu Hause zu praktizieren. So wie ich Ihre Mail interpretiere, sind Sie erst am Anfang der Auseinandersetzung. Dies vermute ich, weil in Ihren Fragen die klassischen Fragen von Kritikern und Zweiflern hochkommen. Lernen die Kinder genug? Was sagt die Umgebung? Und viele kennen ein einzelnes Beispiel, bei dem es vielleicht nicht so optimal lief. Weiter entnehme ich Ihrer Mail, dass Unschooling oder Leben ohne Schule für Sie ebenfalls neu ist. Homeschooling ist nicht gleich Homeschooling. Das mussten wir teilweise bitter erfahren. Weiter möchte jeder sofort Kontakt mit einer Familie, bei der es angeblich funktionieren soll. Ja, so ist es bei fast allen. Viele sind uns besuchen gekommen, obwohl ich am Telefon bereits sagte, dass wir eine normale Familie sind und es bei uns nichts Besonderes zu sehen gibt. Das stimmt natürlich nicht, denn unsere 3 Kinder (Nalin 2,5 – Olivia 4 – Sara 7) sind wirklich Besonders. Es soll für die Eltern auch nicht anders sein. Und hier komme ich zum springenden Punkt resp.  zu unserer Philosophie. Es ist ja interessant, dass jede Familie, die mit den Kindern Bildung zu Hause praktiziert, unterschiedlichste Motivationen und Wertsysteme mitbringen. Die einen, und es sind nicht wenige, bringen die christlichen Werte ins Spiel. Diese Familien mit ihren eigenen Weltbildern funktionieren nicht anders als die Schule. Die Kinder sind eine Aufzucht, die zum Heil geführt werden sollen. Ob zum religiösen Heil oder zum kapitalistischen Heil, die Art des Lehrens unterscheidet sich nicht gross. Die anderen, - zu diesen bekennen wir uns, und es sind sehr wenige, argumentieren

1. mit der Art des Lernens und

2. mit der Art, wie mit Menschen umgegangen werden soll.

Wir lehren nicht. Wir halten keine Heimschule. Wir schrauben nicht an den Kindern. Sondern wir gestalten eine entspannte und interessante Umgebung, mit dem Urvertrauen und dem Wissen, dass jedes Lebewesen (Menschen, Tiere, Pflanzen) die ureigenste Umgebung jeweils assimiliert. Ein Lebewesen kann gar nicht anders, als sich die Umgebung einzuverleiben. Konkret bedeutet dies: in einer lesenden Familie lernen die Kinder automatisch lesen oder etwas krasser, in einer Umgebung mit Belohnung und Bestrafung entstehen Menschen, die später wieder so funktionieren und sich gegenseitig kanibalisieren. Zu dieser Umgebung gehören wir als Eltern und es liegt an uns, wie wir Punkt 1 und Punkt 2 anpacken. Es gibt heute bereits interessante wissenschaftliche Erkenntnisse zu unserer Art, wie wir Bildung zu Hause angehen (siehe z.B. http://www.pro-lernen.ch/blog/2007/12/buchrezension-zu-hause-von-alan-thomas.html). Wir mussten uns in den letzten 8 Jahren tüchtig bilden, indem wir unzählige Bücher gelesen haben. Dabei wurden wir in den Grundsätzen sowohl in unserem Vorgehen als auch in unserer Haltung gegenüber den Kindern bestätigt. Auf unserer Webseite haben wir eine umfassende Bücherliste zur Verfügung gestellt (siehe www.pro-lernen.ch/hilfen.htm).  Weiter führen wir einen Blog, in welchem  wir immer wieder ausführlich über unsere Vorhaben berichten und den „Leuten draussen“ Einsicht in unsere Art Bildung zu Hause geben. Wir haben gelernt, dass Bildung zu Hause etwas Privates ist und keine Familie mit einer anderen vergleichbar ist.

Wir selber wollen eine Familie sein, die teilnimmt an einer modernen oder gar post-modernen Welt. Wir wollen uns weder abschotten, noch hervorheben. Wir wollen mit unserer Autorität unsere Kinder, das Lernen und das Leben ins Zentrum stellen und mit Ihnen die Welt entdecken und dabei selber mit lernen. Wir wollen aber auch mithelfen, dass Bildung zu Hause als valable Alternative etabliert wird, weshalb wir auch unsere Aktivitäten im Web publizieren und auch zu Clonlara einen guten Kontakt pflegen. Wir sind momentan die Kontaktstelle Schweiz für Clonlara International.

So habe ich nun viel geplaudert. Wenn Sie einmal in der Schweiz sind, können Sie jederzeit mit uns Kontakt aufnehmen.

Herzliche Grüsse

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21. Dezember 2007

Buchrezension "Bildung zu Hause" von Alan Thomas

Soeben habe ich das Buch "Bildung zu Hause - Eine sinnvolle Alternative" von Alan Thomas fertig gelesen. Dabei habe ich das Bedürfnis über das interessante Buch zu berichten. Für eine Familie, die selber Bildung zu Hause praktiziert, ist ein solches Buch natürlich eine spannende Sache. Das Buch wurde bereits im Jahr 1998 in Englisch geschrieben und erst vor kurzem ins Deutsche übersetzt.

Der Pädagogik-Professor Alan Thomas beschreibt in diesem Buch in einer wissenschaftlichen Untersuchung die Erfahrungen von 100 Familien (58 in Australien, 42 in England), die Bildung zu Hause praktizierten. imageIn den ersten Kapiteln werden die theoretischen Grundlagen beschrieben, welche ebenfalls interessant sind. Dann zeigt er die Gründe der Eltern auf, wieso sie sich zu Bildung zu Hause entschieden haben. Der Schwerpunkt im Buch liegt dann darin, wie die verschiedenen Eltern diese Aufgabe angegangen sind. Obwohl die Formen der Bildung zu Hause bei allen Eltern sehr unterschiedlich waren, sich sogar bei verschiedenen Kindern innerhalb einer Familie unterschieden, gab es etwas, das fast allen gemeinsam war: Ihre Vorgehensweisen wurden im Laufe der Zeit immer mehr informell, obwohl fast alle einmal mit formalem Unterricht zu Hause begonnen hatten. Informelles Lernen kann als die Fortführung des Lernens in der frühen Kindheit verstanden werden; eher ein durch alltägliche Lebenserfahrung eintretender geistiger Prozess der Osmose als ein Ergebnis bewussten Belehrens.

Interessant ist, dass zur Zeit, als Alan Thomas das Buch geschrieben hat, noch nichts oder nicht viel über informelles Lernen geforscht wurde. Die gesamte bisherige Forschung war eher auf Lernergebnisse denn auf den effektiven Lernprozess gerichtet.

Das Buch spricht die kritischen Themen der Schule, wie z.B. Gleichaltrigenorientierung, Notwendigkeit um mehr persönlicher Interaktion zwischen Schüler und Lehrer (individuelle Aufmerksamkeit für einzelne Schüler sei im Durchschnitt etwa 2,3% der Unterrichtszeit) oder dass die institutionelle Struktur der Schule mit ihrer einschränkenden Gleichaltrigenkultur die gesunde soziale Entwicklung sogar behindern würde.

Interessant an der Untersuchung war für mich, dass Eltern, die sich von vornherein für Bildung zu Hause entschieden, nicht einmal annähernd in das gängige Klischeebild von Bildung zu Hause passten: Aussteiger, ehrgeizige Eltern, religiöse Fundamentalisten oder Spinner.

Es gibt auch keine Handbücher für informelles, unstrukturiertes Lehren und Lernen. Das Hauptproblem informeller Ansätze gegenüber Ansätzen der Schule ist, nachzuweisen, dass tatsächlich Lernen stattgefunden hat. Viele Eltern haben sich mit der Zeit vom formellen Lernen ins informelle Lernen gewandelt. Dies war weniger so, dass Eltern das informelle Lernen entdeckt hätten, sondern weil sich Kinder dem formell strukturierten Lehren und Lernen widersetzt hätten und sich die Eltern infolgedessen bewusst wurden, wie viel die Kinder auch ohne dieses lernten. Dazu gibt es im Buch zwei ausführliche und interessante Berichte.

Informelles Lernen zu Hause ist etwas ganz Besonderes, das nur zu Hause auftritt, denn dabei ist nur wenig oder gar nichts vorgeschrieben. Informelles Lernen bedeutet nicht, Kinder allein sich selbst zu überlassen. Die Kultur zu Hause muss derart sein, dass sie die intellektuelle Neugier anregt und Lernen ermöglicht und unterstützt. Den Kindern müssen Lernmöglichkeiten und Bildungsmaterialien zur Verfügung stehen. Vor allem muss ein Mentor zur Hand sein, der das Niveau der Tätigkeiten mit Liebe und Respekt bestimmt und bereit ist, in einen Austausch zu treten und Fragen zu beantworten. Kinder sind von Geburt an motiviert, etwas über die sie umgebende Kultur zu erfahren, zu lernen wie man darin überlebt, sie geniesst und sich darin entfaltet. Der grösste Teil dieses kulturellen Lernens, besonders in den ersten Lebensjahren, wird durch uns als Eltern vermittelt. Es gibt also keinen Grund, warum wir damit nicht weitermachen sollen, weit über das Schuleintrittsalter hinaus.

Wir finden uns im Buch zu 100% wieder. Wir kennen die Argumentationen, wir kennen die beschriebenen Lernsequenzen, wir kennen die kritischen Fragen aus eigener Erfahrung. Das Buch schenkt Mut, viele Argumente und auch das Wissen von den unterschiedlichsten Erfahrungen der vielen Eltern und Kindern auf der ganzen Welt, die Bildung zu Hause praktizieren. Es ist ein wertvoller Beitrag, die Monokultur der Bildung mit kleinen, zarten Pflänzchen zu durchdringen.

Wir grüssen alle ganz herzlich und wünschen Frohe Festtage und ein erfülltes Neues Jahr.

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2. November 2007

Philosophischer Hintergrund

Wenn wir den Weg einer Unschooling Familie praktizieren, dann ist es vielleicht von Interesse, auf welchem theoretischen und philosophischen Fundament wir basieren. Auf unserer Webseite haben wir bereits einmal versucht, dies zu beschreiben.

Unser Hintergrund sind verschiedene individuelle pädagogische Erfahrungen in Beruf und Familie. Richtungweisend und ermutigend für unser eigenes Vorhaben sind die Lebenswerke und die daraus gewonnenen Erkenntnisse von pädagogisch Tätigen, die zu verschiedenen Zeiten, an verschiedenen Orten und in verschiedenen Bereichen durch praktische Arbeit mit Kindern und Erwachsenen und in Auseinandersetzung mit Fachleuten anderer Wissensgebiete grundlegende Erkenntnisse über die Entwicklung des Menschen gemacht haben. Sie haben Bedingungen gesucht, welche eine bestmögliche, naturgemässe Entfaltung der Menschen gestatten. Ihre Erkenntnisse entsprechen sich zu grossen Teilen und ergänzen sich gegenseitig. Für uns sind dies Gründe genug, ihre Botschaften ernst zu nehmen und uns zu bemühen, sie in unserem Alltag umzusetzen.

Dabei haben wir uns vor allem mit folgenden Personen intensiv beschäftigt:

  • Frédérick Leboyer

  • Jean Liedloff

  • Maria Montessori

  • Rebecca und Mauricio Wild

  • Heinrich Jacoby

  • Emmi Pikler / Magda Gerber

  • John Holt

  • Pat Montgomery

  • Steven Harrison

  • Jiddu Krishnamurti

Obwohl nicht alle der erwähnten Vertreter direkt mit Pädagogik und Schule zu tun haben, ist ihnen allen trotzdem etwas gemeinsam. Sie alle thematisieren die essentielle Grundhaltung des Lebens und des Lernens aufgrund ihrer jeweiligen Umgebung. Es geht nämlich darum, dass jeder Mensch mit einem Potential zur Menschwerdung ausgestattet ist und dass er dazu nicht motiviert, geführt und korrigiert werden muss. Wegweiser sind nicht vorgefertigtes Wissen und das Können anderer, sondern der innere Schatz eines jeden Menschen. Die Zielgerichtetheit und der Wunsch nach Anleitung entwickeln sich von innen heraus ganz von selbst. Dies ist unsere Grundhaltung, die wir jenseits aller moralischen und religiösen Vorgaben in gleichwürdiger Gemeinschaft in unserer Familie praktizieren.

Gerade dieses <von innen nach aussen Prinzip> unterscheidet sich im Wesentlichen vom Prinzip der öffentlichen Schulen und auch von vielen Homeschooling-Familien, welche in ihrer Art grundlegend von aussen nach innen gerichtet sind. In einer öffentlichen Schule werden nach unserer Ansicht Antworten gegeben, auf welche die Kinder gar nie oder nur im glücklichen Ausnahme-Fall die Frage gestellt haben.

Wir unterscheiden uns von einigen Vertretern des <von innen nach aussen Prinzips>, indem wir nicht meinen, dass wir unsere Kinder in eine alternative Schule „schicken“ oder gar eine eigene Schule gründen sollten.

Auf wissenschaftlicher Ebene haben wir uns im Speziellen mit folgenden integralen Wissenschaftlern auseinander gesetzt und vertraut gemacht:

  • Humberto Maturana und Francisco Varela (Neurobiologen)

  • Joseph Chilton Pearce (Pädagoge und Neuropsychologe)

  • Jesper Juul (Familientherapeut)

  • Hartmut von Hentig (Bildungsphilosoph)

  • Ekkehard von Braunmühl (pädagogischer Freidenker)

  • Jean Piaget (Entwicklungspsychologe)

  • Jean Gebser (Kulturphilosoph)

  • Ken Wilber (Bewusstseinsforscher)

Diese grossen Denker, Wissenschaftler und Praktiker erwähnen wir hier, nicht um zu zeigen, wie belesen wir seien, sondern weil wir praktischen Bezug auf sie nehmen. Es fliessen auch noch andere grosse Strömungen in unseren eigenen Bildungsweg, wie z. B. die indische Vedanta-Philosophie, welche wir ebenfalls intensiv studiert und auch praktiziert haben. Unsere Herkunft führt uns im heutigen Kontext mit ganzer Klarheit auf den "Bildung zu Hause"-Weg für unserer Kinder.

Wir schreiben dies hier ganz transparent auf, um zu zeigen, dass unsere Zukunft eine spezifische Herkunft hat, welche wir für uns reflektiert haben und wir es sehr wichtig finden, die inneren Beweggründe für Unschooling zu kennen.

Wir hoffen, dass wir mit diesem Eintrag niemanden abschrecken, sondern im Gegenteil die Lernenergie in uns Erwachsenen aktivieren.

Wir grüssen alle ganz herzlich.

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