Pro-Lernen

In der Folge stellen wir unser Projekt 'Pro-Lernen' vor, in welchem wir einem interessierten Kreis von Eltern und anderen lernenden Menschen darstellen wollen, wie wir Bildung Zuhause mit unseren Kindern angehen, was unsere Vision und unsere Ziele sind, was wir unter Lernen verstehen, was unsere Ansätze dazu sind und was unsere aktuellen Projekte sind.

14. September 2009

‘Pro-Lernen Zimmer’

Obwohl die Kinder im ganzen Haus Lernmöglichkeiten vorfinden, haben wir ein Zimmer, welches wir ‘Pro-Lernen Zimmer’ nennen. Hier haben Sara und Olivia je einen grossen Schreibpult mit Schubladen, Nalin hat ein kleines Tischchen, welches ihn bis jetzt vollkommen erfüllt. Des Weiteren hat es in diesem Raum zwei grosse Gestelle. Auf dem einen befinden sich über 20 Ordner aus meiner ehemaligen Lehrerinnentätigkeit, gefüllt mit Themen- und Arbeitsblättern zu Mathematik, Deutsch und Mensch & Umwelt. Hier wähle ich ab und zu eine Kopiervorlage als Angebot aus, wenn es gerade zu einem Thema der Kinder passt. Ab und zu suchen sich die Kinder auch selber etwas aus diesen Ordnern. Allerdings beobachte ich immer wieder, dass das Interesse für diese Arbeitsmaterialien bei unseren Kindern bis jetzt sehr gering ist. Lösen sie mal ein Arbeitsblatt, dann eigentlich nur in jenen Zeiten, in welchen sie ‘Schule spielen’. Zudem hat jedes Kind dort ein Regal für die 'Pro-Lernen Zimmer' mit Zahlen- und Buchstabenmaterialeigenen Ordner und andere persönliche Dinge. Auf einem anderen Gestell (Foto nebenan) haben wir eine Fülle an Materialien rund um die Themen Buchstaben und Zahlen.  Einen Grossteil der angebotenen Materialien ist selbstgemacht und es befinden sich darunter diverse Variationen von Memorys, Dominos, Puzzles, usw. Damit die Kinder den Inhalt in den vielen Behältern (es sind über 90) gut erkennen können, sind diese bewusst in transparentem Plastik versorgt. Es würde zu weit führen, wollte ich alle Materialien im Detail auflisten. Deshalb einfach einen kurzen Überblick: Bei den Zahlen hat es Material, um erstens mal den Zahlenbegriff erfassen zu können. Zweitens, die vier Grundrechenoperationen (Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division) auf möglichst viele verschiedene Arten erlernen zu können und drittens diese auch zu mechanisieren. Zudem hat es Würfel, Messbänder und Sanduhren. Bei den Buchstaben hat es diverses Erstlesematerial, Schreibmöglichkeiten, Übungsspiele für das Leseverständnis und viele Angebote, um sich die Rechtschreibung anzutrainieren.

Es gibt Zeiten, da verweilen sich die Kinder stundenlang mit diesen Materialien. Doch viel mehr Zeiten gibt es, wo die Kinder Mathematik und Deutsch im realen Alltag lernen. Die Materialien bieten dann jeweils Gelegenheit, etwas nochmals auf eine andere Art zu veranschaulichen und zu vertiefen.

Im ‘Pro-Lernen Zimmer’ haben wir zudem genügend Ablagefächer, um Ordnung und Übersicht zu ermöglichen. Ausserdem stehen auf einem Regal diverse faltbare Land- und Weltkarten, Kompass, Globus, Miniplanetarium und Sternenglobus.

Die Kinder haben dieses Zimmer gerne und nennen es manchmal spassig  ‘mein Büro’. Auch während unseres längeren Aufenthaltes in Sardinien fragten wir sie, was sie am Meisten vermissen würden und Sara sowie auch Olivia nannten als etwas vom Ersten ihren Schreibpult.

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20. Januar 2009

Mathematik im Alltag

Für uns Eltern ist es immer wieder spannend miterleben zu dürfen, wie unsere Kinder die Prinzipien der Mathematik im natürlichen Alltag entdecken. Zwar hatte Sara mal eine Phase, in der sie mit Begeisterung 'Schule' spielte. Dabei hat sie auch in den Rechnungsbüchern und Heften gearbeitet. Das 1. Klasse-Buch liess sie allerdings links liegen, denn sie meinte, dass sie jetzt sowieso in der 2. Klasse wäre. Also begann sie sogleich mit dem Heft der 2. Klasse, welches auf den ersten Seiten eine Repetition des gesamten 1. Klasse Schulstoffes beinhaltet. 

Die Seiten der Mathematik des Schulstoffes der 1. Klasse bearbeitete Sara zum richtigen Zeitpunkt innerhalb von zwei Tagen.

Wieso konnte sie das, obwohl wir das mit ihr nie geübt haben? Der Grund ist einfach: Mathematik findet überall statt! Dazu braucht es keine Rechenbücher und Arbeitshefte. Es gibt unzählige Situationen, in welchen die Kinder rechnen ohne sich dessen bewusst zu sein. Untenstehend sind nur einige wenige Beispiele davon erwähnt.

Eines davon ist Sara’s Hobby, das Kochen. Wenn sie aufgrund der Vorgaben im Kochbuch kocht, dann ist sie immer mit Zahlen konfrontiert. Dabei lernte sie schon vor längerer Zeit die Hohlmasse und die Gewichte kennen, wie hier beschrieben. Kürzlich backte sie einen Kuchen, wobei sie gleich die doppelte Menge Teig zubereitete. Hier wurde also alles mal zwei multipliziert. Als sie den Kuchen dann in Stücke schnitt und verteilte, war die Division gefragt.

Auch spielen die Kinder sehr gerne mit dem Verkaufsladen. Auf diese Weise hat Sara das Schweizer Geld und dessen Wert praktisch erfahren und kennen gelernt. Nicht nur, dass reale Kaufsituationen nachgespielt werden, hier wird auch gerechnet. Kürzlich meinte Sara: "Heute hab ich in meinem Laden aber viel verkauft. Ich hab gerade die Kasse gelehrt und das Geld gezählt. Da sind 429 Franken drin!" Es wird addiert, Differenzen berechnet, Retourgeld herausgegeben. Zusätzlich fliesst der Deutschunterricht auch noch gleich mit ein: Es wird in hochdeutscher Sprache gespielt, das Gekaufte wird mit Namen auf einen Zettel geschrieben und daneben kommt der Preis, à la Kassabon!

Natürlich übt sich Sara auch in den richtigen Läden mit dem Geld. So geniesst sie es, wenn sie einen Betrag an der Kasse bezahlen darf.

Sind wir mit dem Bus unterwegs, so ist Sara damit beschäftigt, Leute zu zählen. Wieviel Personen sind im Bus, wieviel sind eingestiegen und wieviel ausgestiegen, wieviel sind jetzt noch drin? Das gibt dann Kettenrechnungen wie z.B. 23 minus 8 plus 5 gibt 20.

Auch das Interesse an Längenmassen findet ganz natürlich statt: So will Sara immer wieder wissen, wie gross sie ist und wieviel Zentimeter sie seit dem letzten Messen gewachsen ist. Wie weit ist es von hier nach dort? Diese Fragen kommen auch immer wieder und das Gefühl für Distanzen wird von mal zu mal differenzierter.

Es werden die Tage bis zu einem bestimmten Tag gezählt oder es wird die Differenz von Tagen zwischen zwei Geburtstagen ausgerechnet. Jahreszeiten, Monate, Wochen, Tage und Uhrzeit fliessen ebenfalls in das Thema Mathematik.Das Einmaleins setzt Sara oft ein, ohne zu wissen, dass diese Art zu rechnen das berühmte Einmaleins ist. Sie weiss, wie es funktioniert und wie man es anwendet und irgendwann, wenn es Sinn macht, wird sie es mechanisieren und auswendig lernen wollen.

Beim Jassen, wo jede Karte eine andere Punktzahl hat, werden zum Schluss die Punkte zusammengezählt und mit den anderen Mitspielern verglichen.

Auch Olivia ist täglich mit Zahlen beschäftigt. So verkündete sie gerade heute: “Beim Sternenspiel hab ich schon sieben Sterne gefunden. Mir fehlen nur noch drei und dann hab ich alle zehn!”

Ja eigentlich vergeht fast kein Tag, an dem nicht auf irgendeine Art und Weise Mathematik stattfindet.

Lernen findet überall statt! Oder?

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19. September 2008

Lernen findet überall statt

Vor einigen Tagen sind wir von unserem Auslandaufenthalt zurückgekehrt. Es war das erste Mal, dass wir es als Familie gewagt haben, eine Reise ins Ausland zu unternehmen. Unter dem Motto: "Die ganze Welt ist unser Klassenzimmer" wurde während dieser Zeit viel gelernt und entdeckt. Wir haben mal versucht, einen Ausschnitt der täglichen Aktivitäten unserer Kinder - insbesondere von Sara - in Schulfächer zu unterteilen, was gar nicht so einfach war, da vieles ineinander fliesst!

Geografie: Das Land, welches Sara zu Hause via Bücher, Karten, Internet und Google Earth eingehend studiert und unzählige Male virtuell bereist hatte, erlebte sie nun hautnah und konnte sich in der neuen Umgebung schnell orientieren und zurechtfinden. Sie hat eine Relation zu Distanzen bekommen. Die Lebensbedingungen wurden mit den eigenen verglichen und Vor- und Nachteile aufgezählt. Verflechtungen - wie die Herkunft verschiedener Konsumgüter - zwischen der Heimat und der Welt wurden wahrgenommen.

Geschichte: Da wir unmittelbar neben landestypischen Kunstskulpturen  wohnten, fragte uns Sara darüber Löcher in den Bauch. Zum Glück hatten wir vorgesorgt und ein dickes Buch mit den schönsten Sagen und Mythen des Landes mitgenommen. Diese Geschichten werden kindgerecht erzählt und vermochten den Wissensdurst von Sara zu stillen.

Deutsche Sprache (Lesen, Schreiben und Sprechen): Sara hat selber Geschichten oder Briefe von "Felix" gelesen und liess sich auch gerne welche vorlesen. Zudem hat sie mehrere Briefe von Hand an Freunde geschrieben. Weiter hatte sie die Gelegenheit, mit einem Mädchen, mit dem sie sich angefreundet hat, sich in der hochdeutschen Sprache zu üben.

Fremdsprachen. Nebst einigen Brocken der Landessprache lernte Sara auch einige Brocken englisch. Sie machte aber auch die Erfahrung, wie man sich mit <Händen und Füssen> zurechtfinden kann, als sie z.B. selber in einem kleinen Laden etwas einkaufen ging.

Sport: Sara hat während unseres Aufenthaltes die Technik des Schwimmens gelernt. Wo sie sich in den ersten Tagen noch jedes Wassertröpfchen im Gesicht sofort an einem Badetuch abtrocknen liess, so tauchte sie am Schluss mit und ohne Taucherbrille mutig drauf los, machte Purzelbäume im Wasser und schwamm im Meer auch bei höherem Wellengang. Nebst dem Baden wurde natürlich auch viel am Strand gesprungen, so eine Art kindliches Strandjogging!

Musik: Die fremdländische Musik und der Tanz wurden live miterlebt.

Naturkunde und Meeresbiologie: Viele der landestypischen Pflanzen und Bäume, aber auch Fische und Muscheln wurden kennengelernt und bewundert.

Sternenkunde: Saras Interesse an den Namen der verschiedenen Planeten und Sternbilder war und ist immer noch gross.

Mensch, Umwelt und Technologie: Sie befasste sich dort mit den verschiedensten Themen wie z.B. andere Länder andere Sitten, vieles ist anders. Verschiedenste Arten von Verkehrsmitteln und deren Sicherheit: Bus, Eisenbahn, Flugzeug, Fähre, Auto, Elektromobil, Fahrrad, zu Fuss,  usw.  

Bildnerischens Gestalten: Gestalten am StrandMit Sand, Muscheln und einigen anderen Naturmaterialien vom Strand haben die Kinder die verschiedensten Kreationen entworfen! Sie haben erlebt, wie die richtige Konsistenz des Sandes mit Wasser entscheidend ist. Zudem hat Sara den richtigen Umgang mit einem Fotoapparat gelernt und hält die ihr wichtigen Bilder eigens fest.

Mathematik: Mengen und Objekte (Muscheln und Steine) wurden verglichen, geordnet, nach Merkmalen sortiert und gezählt. Masseinheiten wurden handelnd erfahren. Sara lernte den Umgang mit den Euros. Weiter interessierte sie sich  für die Längenmasse wie z.B. die Tiefe des Meeres an einer bestimmten Stelle, den höchsten Berg, die Entfernung von Punkt A nach B, usw.

Soziale Kompetenz: Sara lernte Regeln und Strukturen des fremden Landes kennen und diese einzuhalten. Sie pflegte den Kontakt zu anderen Kindern und wurde von diesen auch zum Spielen abgeholt.

Und so weiter und so weiter und so weiter. . . . . . .

Es hat uns allen so gut gefallen, dass wir gerne noch viel länger dort geblieben wären. Das Erlebte wird nun hier zu Hause von den Kindern in spannendsten Rollenspielen nachgespielt.

Lernen findet definitiv überall statt - falls man es merkt.

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5. April 2008

Mehr als nur ein Spiel

Zur Zeit lieben es Olivia und Sara, mit den Klötzen die verschiedensten Häuser, Schlösse, Türme oder Schiffe, usw. zu bauen. Heute haben sie miteinander ein Schiff gebaut und ihre Mannli dürfen nun zusammen eine Reise machen. Auf der grossen Europakarte sucht Sara ein Land aus, welches ans Meer grenzt. Sie entschliesst sich für Frankreich. Nach einer Weile aber findet sie, dass das nicht genug weit weg von der Schweiz ist und sie geht zur grossen Weltkarte. P4051366Hier will sie von mir wissen, welches Land denn am weitesten von der Schweiz entfernt sei, denn ihre Mannli möchten ganz viele Male im Schiff übernachten. Da ich es auch nicht weiss, schlage ich vor, dass wir eine Schnur zur Hilfe nehmen. Sara schlägt weiter vor, dass wir doch ein Messband nehmen könnten. Also wird gemessen: Nach Indien sind es 34 cm, nach Australien 74 cm, Alaska 63 cm ("Nein, schau mal dieser Schnee, da ist es viiiiiiiiiiel zu kalt") auf die Philippinen 55 cm, nach Neuseeland 83 cm ("Das ist das Weiteste bis jetzt"),usw.  Nach einer Weile ist das Reiseziel  gefunden und es wird eifrig gepackt.  Irgendwann macht Olivia einen Vorschlag: "Sara, jetzt können wir es doch so machen: Ein kleines Stündchen dürfen meine Mannli mit dem Schiff fahren, danach dürfen Deine Mannli ein kleines Stündchen mit dem Schiff fahren und dann wieder meine und dann wieder deine!" Sara überlegt kurz, bevor sie antwortet: "Du Olivia, es gibt gar keine kleinen Stündchen. Eine Stunde ist immer eine Stunde und das ist lang. Mama, wie viele Minuten hat jetzt schon wieder eine Stunde? Ah ja, 60 Minuten. Und weisst Du Olivia, die Mannli sind jetzt alle schon auf dem fahrenden Schiff und können gar nicht mehr aussteigen!"

Während die Kinder beim gemeinsamen Spiel sich auch immer wieder im fairen "Aushandeln" üben, wird nebenbei unmerklich Mathematik geübt (Messen, Hohlmasse, Grösser als..., Kleiner als..., Zeiteinheiten) oder die Geografiekenntnisse erweitert, wie Ländernamen kennenlernen, Distanzen abschätzen, Klimaunterschiede feststellen. 

Auch wenn die Kinder nur "spielen", so ist dieses Spiel weit mehr als nur ein Spiel!

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20. Januar 2008

Kochen und Lernen

Was man an einem einzigen Tag alles Dank eines Kochbuches lernen kann, zeigte uns kürzlich Sara. Als ich ankündigte, dass wir einkaufen gehen sollten, eilte sie zu ihrem Kinderkochbuch und suchte ein Menu aus, welches sie uns zum Mittagessen zubereiten wollte. Sie wählte einen Kopfsalat mit einer Salatsuce und zum Dessert ein Honiglassi. Nachdem sie alle Zutaten, welche ihr fehlten, P1171001mit einem farbigen Stift auf ein grosses Blatt Papier aufgeschrieben hatte, gings zum Einkaufen. Mit dem Einkaufszettel in der einen Hand und mit der anderen ein kleines Einkaufswägeli stossend, lief sie zielstrebig durch den ganzen Laden und packte alles Benötigte in Bio-Qualität ein. Mit Hilfe des Kochbuches fing sie zu Hause mit der Zubereitung ihrer Mahlzeit an. Sie benötigte nur ein einziges Mal Hilfe von mir, als es ums Waschen des Salates ging.  Auf jeden Fall schmeckte uns das Lassi und der Salat nicht schlecht. Vielleicht ein bisschen weniger Essig in der Sauce das nächste Mal? Kein Problem, sie schreibt sofort in ihr Kochbuch:"weniger Essig". Während sie anschliessend das Kochbuch durchblättert und Rezepte liest, fragt sie mich: P1170994"Was heisst eigentlich dl?" Das erkläre ich ihr ausführlich und nehme dazu auch den Massbecher und eine grosse Spielspritze zu Hilfe. "Wieso sagt man ausgerechnet Deziliter? Hat das etwa der Herr Deziliter herausgefunden?" Sara kugelt sich fast vor lachen. Etwas später will sie noch wissen, was denn ml heisst, das habe sie auch schon mal gelesen. Auch das wird erklärt und anhand weiteren kleineren Spritzen demonstriert.  Während Sara anschliessend selber mit den Spritzen die Milliliter und Deziliter fassbar zu machen versucht, ruft sie: Gäll Mama, das geht doch nicht, wenn man im Kochbuch einfach schreiben würde <1 Tasse>! Da weiss ja niemand, ob man jetzt eine munzigkleine Spiel-Tasse nehmen muss oder die grosse Papa-Tasse!" Sara hat den Sinn dieser Benennungen verstanden.

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25. August 2007

Zahlen

Kürzlich wollte Sara die Töpfchen von ihrem Experiment nummerieren. Sie begann bei der Nummer 1 und schrieb diese auf einen Zettel. Als nächstes kam die Nummer 4, dann die Nummer 7 und noch die Nummer 10. Ich wunderte mich etwas über diese Reihenfolge, denn zählen kann Sara schon seit längerer Zeit ohne Probleme bis 100. Das Rätsel wurde jedoch schnell gelüftet, als sie mir mitteilte, dass sie jetzt nicht mehr weiterschreiben könne, weil jetzt die schwierigen Zahlen dran kämen, jene mit Rundungen. So schrieb ich ihr die gewünschte Zahl vor und sie versuchte sie auf ihrem Zettel nachzuschreiben, was sich als ziemlich hoffnungslos entpuppte, da ihre Zettelchen viel zu klein waren. Da ich aber spürte, dass sie gerne die Zahlen schreiben würde, schlug ich ihr vor, dass sie jeden Tag an der Wandtafel eine Zahl üben könne. Sie war begeistert. Beginnen wollte sie mit der Nummer 1, dann mit der 4 und heute war die 7 dran. Sie erfindet jeweils selber kleine Zahlengeschichten, so dass ihr das Schreiben richtig Spass macht.

Die Zahlen scheinen sie im Moment anzuziehen. Heute entdeckte sie das Elferspiel auf dem Gestell. Dies ist ein Kartenspiel mit Zahlen von 1 bis 20. Es geht darum, dass man jeweils die richtige Zahlenkarte in der richtigen Reihenfolge zur passenden Farbe legt. Wir spielten dieses Spiel über eine Stunde miteinander und es erstaunte mich, wie sie die Reihenfolge der Zahlen vor - und rückwärts beherrschte. Manchmal frage ich mich, wie sie überhaupt zählen gelernt hat. Ich weiss es ehrlich gesagt nicht genau. Es hat einfach stattgefunden, immer wieder ein bisschen. So addiert, subtrahiert und ergänzt Sara die Zahlen auch, ohne dass sie merkt, dass sie am Rechnen ist. Sie kann zum Beispiel sagen:" Mama, letztes Mal hast Du für dieses Gericht 10 Kartoffeln benötigt, heute hast Du nur 7 geholt, warte, ich hole dir noch 3 im Keller! Oder sie macht Spiele mit ihrem Alter: Wenn ich 7 Jahre alt bin, ist Olivia 4 Jahre und Nalin 2 Jahre, wenn ich 8 Jahre alt bin, ist Olivia 5 Jahre und Nalin 3 Jahre usw. usw.

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